1896 19811
Wert der Lebensmittellieferung des
Inlandes für den inländischen Millionen Franken
VBerbrauch... . . 540 803
znländischer Verbrauch eingeführter
Lebensmittel. .. .. . 284 557
Summe des Lebensmittelverbrauchs 824 1360
vom Hundert
Davon wurden vom Inland geliefert 66 59
Ausfuhr von im Inland erzeugten Millionen Franken
Lebensmitteln.......... 50 107
Besamte Lebensmittelproduktion des
Inlandes..... ... 590 910
vom Hundert
In v. H. des gesamten Verbrauchs 7267
Das Inland lieferte neben vorwiegend viehwirt—
schaftlichen Erzeugnissen Obst, Wein, Gemüse. Aus
dem Auslande kamen Getreide, Mahlprodukte und
Fette.)
Von den Gründen, die den Niedergang des in—
ändischen Getreidebaues herbeigeführt haben, wird
»ald der eine, bald der andere, je nach der Ein—
tellung des Urteilenden zu der Frage der Förde—
rung des Getreidebaues in der Schweiz, mehr betont.
Die Monopolgegner erklären, die Selbstversorgung
des Landes an Getreide habe früher nur durch die
vsebundenheit des Verkehrs und des Bauern in der
Bestimmung der Bebauungsart des Bodens sowie
»ei schwacher Bevölkerung aufrecht erhalten werden
können. Daß sich mit der fortschreitenden Befreiung
des Bauern und der Behebung der Verkehrshinder—
nisse die Verschiebung zugunsten der Vieh- und
Milchwirtschaft vollzogen habe, sei in den gegebenen
iatürlichen Verhältnissen begründet. Klima und
Boden der Schweiz seien wenig für die Brotfrucht
geeignet. Die schweren Böden des Gebirges und
die schweren und zäh zu verarbeitenden Ton- und
Lehmböden des Mittellandes eigneten sich mehr zum
Futterbau als zum Getreidebau. Bodenbeschaffen—
zeit und Klima seien auch Ursache für die geringere
Qualität des heimischen Brotgetreides. Die Land—
wirte selbst zögen das eingeführte Mehl oder Ge—
reide zur Verwendung für Brot den eigenen Er—
eugnissen vor. Das Getreide eigener Erzeugung
jabe deshalb in der Vorkriegszeit in wachsendem
Maße innerhalb der Landwirtschaft als Futtermittel
Verwendung gefunden.)
Diesen Behauptungen gegenüber erklären die
Befürworter des Monopols, der Boden der Schweiz
habe seiner Bevölkerung während Jahrhunderte ein
vohlschmeckendes Brot in der benötigten Menge
berschafft. Der erneute Aufschwung des einheimischen
Betreidebaues und die Wertschätzung seiner Er—
zeugnisse während der Kriegszeit und seither hätten
ziese Erfahrungen bestätigt. Es sei richtig, daß
klimatische Einflüsse, insbesondere das feuchtere
Klima des Landes, die Ursache dafür seien, daß das
schweizerische Getreide weniger haltbar und weniger
2) Oskar Howald. Die Entstehung der laudwirt⸗
schaftlichen Krise in der Schweiz. Berichte über Landwirt—
schaft, Neue Folge J, Heft 2, Seite 43 ff.
85) Dr. A. Egli. Getreideversorgung der Schweiz.
Zeite 34,/35.
ergiebig sei als das der Konkurrenzländer. Durch
eie Bevorzugung der Viehzucht und der Futter—
zroduktion hätten die Landwirte die Qualitäts—
erzeugung und einheitliche Lieferung von Getreide
ibermäßig vernachlässigt. Zudem bevorzuge die stark
iufblühende Handelsmüllerei für ihre verbesserten
Nahleinrichtungen die trockene und lagerfähige
Vare des Auslandes vor dem weichen und weniger
hjaltbaren Landweizen. Der Handel bevorzuge die
remde Ware, weil es bequemer sei, solche in großen
Nengen nach Bedarf zu beziehen, als das Julands—
jetreide in kleinen Posten mühsam zusammen—
usuchen. Die Vernachlässigung der einheimischen
Brotfrucht von diesen Gesichtspunkten aus sei be—
onders dadurch verschlimmert worden, daß viele
leine Landmühlen dem Wettbewerb der leistungs—
ihigeren Großmühlen erlegen seien. Die Haupt—
irsache des Niederganges der Getreidekultur sei aber
n dem Wegfall des staatlichen Schutzes, der sich mit
»em 19. Jahrhundert vollzogen habe, zu erblicken.
Rer Getreidebau in der Schweiz sei dann, wie auch
n anderen Ländern, mit der Entwicklung der Eisen—
ahn und der Schiffahrt im internationalen Wett—
ewerb dem Getreidebau der Länder mit frischem
ulturboden erlegen. Gleichzeitig habe dabei die
»achsende Rentabilität der Milchwirtschaft infolge
unsteigender Preise und erhöhter Nachfrage nach
zchweizer Käse im Ausland mitgewirkt und eine
esteigerte Einstellung auf Vieh- und Milchproduk—
ion zur Folge gehabt.) Die einseitige Graswirt—
haft greife aber besonders dem kleinen und mitt—
eren Bauerntum ans Leben. Die parzellierten klei—
ien Güter rentierten sich nicht mehr und verschwän—
»en deshalb. Der Gras- und Wiesenbauer mit aus—
chließlicher Vieh- und Milchwirtschaft) sei wegen
er Notwendigkeit des Ankaufs von Lebensmitteln,
zutter und Düngemitteln, Stroh und Stren u. a.m.
tach außen viel abhängiger als der Landwirt im
emischten Wirtschaftsbetrieb. Die Einseitigkeit des
zetriebes bewirke einen starken Güteraustausch und
elaste damit den Betrieb. Da die reine Vieh— und
zraswirtschaft weniger Arbeitskräfte beschäftige als
»er Getreidebau, begünstige fie überdies die Land—
lucht.
Auf Grund der bestehenden Verhältnisse kennt die
3chweiz keinen einheitlichen Getreidezoll. Für die
fFinfuhr von Getreide erhebt die Schweiz vielmehr
tur eine Kontrollgebühr. Sie betrug von 1851 bis
1921 0,3 Fr. für 100 ks, seit dem 1. Juli 1921
.6 Fr. für 100 k«.
2. Die Frage des Getreidemonopols in der Schweiz
in der Vorkriegszeit.
Die Frage der Einführung eines Getreide—
nonopols bildete schon vor dem Kriege in der Schweigz
en Gegenstand von eingehenden Erörterungen in
er ffentlichkeit und in den gesetzgebenden Körpor—
chaften.
Die in den siebziger Jahren des vorigen Jahr—
sunderts von den Arbeiterkreisen ausgehende erste
Anregung war durch steigende Getreidepreise im An—
'ang dieser Jahre ausgelöst worden und hatte zum
4) Die Sicherung der Brotversorgung. Brugg 1926
Zeite 15 ff.