Während vor dem Kriege die deutsche Eisenindustrie zumeist durch
langfristige Verträge in den Haupterzsorten eine gleichbleibende Grund-
lage hatte, ist dieses heute nur noch teilweise der Fall, und zwar prak-
tisch nur bei den Schwedenerzen. Die wirtschaftliche Unsicherheit in
sämtlichen europäischen Ländern, mangelnde Stabilität ihrer Währun-
gen und das Fehlen fester Grundlagen für die Selbstkosten-Kalkulation
haben das Zustandekommen neuer langjähriger Verträge bisher verhin-
dert. Die vorhandenen langfristigen Verträge in Schwedenerzen decken
nur einen verhältnismäßig kleinen Teil des Bedarfes der Werke und
auch nur einen Teil schätzungsweise 60 %, des Gesamtbezuges aus
Schweden.
Die. deutsche Eisenindustrie hat das dringende Bedürfnis, den
früheren Zustand der langfristigen Deckung wieder herzustellen. An-
sätze hierzu sind schon vorhanden, Vorbedingung für den Erfolg ist auch
hier die wirtschaftliche und politische Beruhigung in der Welt.
Der Handel in Eisenerzen hat durchaus internationalen Charakter;
es haben sich für ihn gewisse feststehende Grundlagen herausgebildet.
Die Erze werden auf einer bestimmten Basis gehandelt, d. h. der
Preisfestsetzung sind gewisse Gehalte, Prozentsätze an Fe, Mn, P, Si0,
und auch anderes zugrunde gelegt. ;
Der Preis auf solcher „Basis“ wird in den Abschlüssen festgelegt
und die Mehr- bzw. Mindergehalte gegenüber der Basis besonders be-
rechnet vermittels einer vereinbarten „Skala“
Hoher Metallgehalt an Fe und Mn — bei Thomaseisenerzen auch
Phosphor — erhöht den Wert des Erzes, ebenso ein gewisser Gehalt an
Kalk und Magnesia; Kieselsäure und Tonerde sowie schädliche Bestand-
teile wie Schwefel, Arsen, Blei, Zink, Kupfer usw., ermäßigen ihn. Auch
Phosphor ist schädlich in Erzen, die zur Herstellung von P-armen Roh-
8lsensorten oder z. B. Hämatit und Stahleisen verwendet werden sollen.
Der Basispreis versteht sich nach jeweils getroffenen Abmachungen
auf verschiedenen Frachtgrundlagen: ab Grube, frei Werk, fob Ver:
Schiffungshafen, cif oder frei Kahn Ankunftshafen, frei Kahn Werks-
hafen usw.
Die Probenahme zur Feststellung der Gehalte sowie die Gewichts-
ermittlung erfolgen meist auf dem Empfangswerk, für gewisse Erze,
insbesondere die Lieferungen der großen schwedischen Grubengesell-
schaft Grängesberg-Oxelösund auch in den Abgangshäfen. +
Einzelheiten über die wesentlichsten für die deutsche Erzversor-
Sung in Frage kommenden Erzvorkommen und Erzsorten, geordnet
Nach Verkaufsländern, soll nachstehende Darstellung geben:
Schweden.
Von den gewaltigen Erzreserven Schwedens nehmen die in Lapp-
land gelegenen Lagerstätten die erste Stelle ein, Seit langer Zeit schon
Sind bekannt die berühmten Lagerstätten von Kiirunavaara, Luossa-
Vaara und Gellivare. Die Erze, Magneteisensteine, treten als magmati-
Sche Ausscheidungen in Eruptivgesteinen auf und haben einen sehr
hohen Eisengehalt, über 60°%, gelegentlich sogar 68 bis 69°. Teil-
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