Full text: Psychologie der Werbung

Gesellschaft kaufen heute Bücher, weil sie ‚es als zum guten Ton 
gehörig erachten. Auch junge Gelehrte erwerben, wenn sie finan- 
ziell dazu in der Lage sind, vielleicht manches Buch nur, weil 
sie sich in einer bücherreichen Umgebung wohl fühlen und auf 
den Bücherbesitz etwas halten. Auch der Bücherbesitz als solcher 
kann nämlich zu einem unabweisbaren Bedürfnis werden. Viele 
sind auch so eingestellt, daß sie es geradezu für eine Pflicht halten, 
jedes Werk eines von ihnen hochgeschätzten Schriftstellers zu 
besitzen. Auch der bibliophile Sammler und viele andere Samm- 
ler kommen ja häufig dazu, den Besitz gewisser Bücher, Kunst- 
werke usw. als eine unabwendbare Forderung zu empfinden. Der 
Buchhandel wird die hier angedeuteten Einstellungen auf den 
Bücherbesitz in seiner Propaganda gegen das Leihwesen ver- 
werten, aber auch durch besondere Propaganda zu pflegen 
suchen. Diese Bestrebungen hätten dahin zu wirken, daß der Be- 
sitz einer eigenen Bibliothek ein allgemeiner Wunsch und eine 
allgemeine Gepflogenheit breitester Schichten wird!). Auch die 
Innenarchitekten und die Möbelbranche wären zu diesem Propa- 
gandafeldzug heranzuziehen. Mehr als heute müßten Bücher 
auch in den Auslagen der Möbelgeschäfte zu sehen sein. Gute 
Einbände und künstlerische Ausstattungen würden diese Sache 
sehr fördern. Innenarchitekten und erfahrene verständige Sorti- 
menter könnten oft zusammenarbeiten. Denn nicht nur der Neu- 
reiche aus der Inflationszeit läßt sich bei der Anschaffung und 
Einrichtung einer Bibliothek weitgehendst durch den Buch- 
händler beraten. 
Ob die Leihbibliotheken vom Standpunkt des Buchhändlers 
aus ganz unbedingt zu verwerfen sind oder ob sie (trotzdem sie 
natürlich der Geringschätzung des Bücherleihens und dem Stolz 
über eigenen Buchbesitz entgegenwirken) vom Buchhändler zu 
1) Eine Propagandaschrift für den eigenen Buchbesitz und die Buch- 
erwerbung überhaupt ist z. B. das Werkchen von F. M. Huebner, Das Buch 
und der Mensch. Dessau 1924. 
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