104 Verhältnis von Kapital und Arbeit
Philanthropische Motive haben zu ihr geführt, sondern einfach
die Kalkulation. Man hat ausgerechnet, daß es dem Unter-
nehmen nur zugute kommt, wenn der Arbeiter eine gehobene
Lebensführung, eine menschenwürdige und erträgliche Tätig-
keit hat, wenn ihm eine Muße gegönnt wird, und wenn er
sich mit dem Unternehmen wirtschaftlich verbunden weiß,
ausgerechnet, daß mit der neuen Methode sich höhere
Profite erzielen lassen. Ist einmal wirklich ein menschliches
Gefühl im Spiele, so wird der Unternehmer sich genieren,
sein wahres Motiv anzugeben, und, sich vor dem „alten“
Wirischaftsgeist verbeugend, sich auf die Steigerung der
efficiency und des Gewinns berufen, um sich nicht lächer-
lich zu machen: „er wird dann als Schaf im Wolfspelz auf-
treten‘ 152,
Auf solche Weise glaubt man aber auch gleichzeitig jene
Unzufriedenheit bekämpfen zu können, die zur großen Be-
unruhigung der Wirtschaftsleiter immer mehr an Boden zu
gewinnen scheint. Für nicht wenige von ihnen wie für die
amerikanische Öffentlichkeit ist die soziale Frage, die Her-
stellung eines sozialen Friedens die Hauptfrage geworden,
und man sucht sich ihm auf diesem Wege, durch die „in-
dustrial democracy“ zu nähern. Was auf diesem Gebiete in
den Vereinigten Staaten vor sich geht, diese Änderung. der
Wirtschaftsgesinnung ist bisher in Europa über dem Studium
amerikanischer Technik und Betriebsführung, über dem Streit
um Taylor und Ford doch noch zu wenig beachtet worden;
man sieht die Dinge zu sehr isoliert und nicht in ihrer Ver-