N Verhältnis von Kapital und Arbeit 109
bundenheit. Die Goodyear Tire Co. hat proklamiert: „Wenn
das Kapital nicht arbeitet und die Arbeit keinen Besitz hat, so
kann es keinen sozialen Frieden geben. Aber warum soll die
Arbeit nicht durch ihre Ersparnisse zu Kapital gelangen?“ 153
Die Umschichtung der wirtschaftlichen Kräfte dadurch, daß
man den Arbeiter hat zum Kapitalisten werden lassen, ist mit
einer Geschwindigkeit vor sich gegangen, wie sie nur in Amerika
möglich ist. Der Aktienbesitz, namentlich bei den gemein-
nützigen Unternehmungen, dringt in immer tiefere soziale
Schichten vor 154, ist keineswegs mehr auf die Wohlhabenden
und Reichen beschränkt, die von Arbeitern gegründeten Ban-
ken, von denen seit 1922 nicht weniger als 33 entstanden sind,
bedeuten bereits eine beträchtliche finanzielle Macht. Von
irgendwelchen sozialistischen Ideen ist aber bei alledem nicht
im entferntesten die Rede. Es ist der Versuch einer Lösung des
sozialen Problems, ohne vom kapitalistischem Geiste, von dem
Prinzip der wirtschaftlichen Freiheit irgend etwas Wesent-
liches aufzugeben, der Versuch, sich jener früheren Gleich-
heit des Besitzes wieder anzunähern, „zu dem alten, gesunden
und männlichen amerikanischen Individualismus zurückzu-
kehren‘ 155, Herbert Hoover sprach es in einer Versammlung
in Cleveland aus: „Wir befinden uns im Übergang von einer
Periode des extremen Individualismus zu einer Periode der
Zusammenarbeit, und ich glaube, wir werden durch diese
Kräfte uns langsam einer wirtschaftlichen Demokratie zu-
bewegen.‘ 156 Man ist hierbei in der glücklichen Lage, nicht
auf solche Widerstände zu stoßen, wie sie die in Europa so