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idealere Lebensauffassung immer mehr und tüchtig Bahn
bricht — das Kalkül mit Tatsachen und Geld und Geldes
wert in der vordersten Reihe aller Erwägungen und Ent
schlüsse steht: Wissen doch die ruhigen und vernünftigen
Geschäftsleute Amerikas, daß Deutschland so reich und
industriestark ist, daß es im Außenhandel der Ver
einigten Staaten schon seit einer Reihe von Jahren
die zweite Stelle einnimmt, und daß die Union uns
für die Unterbringung wesentlicher Boden- und Erd
produkte dringend benötigt. Auch hat der Amerikaner nur
vor denen Respekt, die ihm furchtlos und selbstbewußt
entgegentreten. Gewiß, wir wollen sehen und beob
achten, wir wollen mit zäher Ausdauer arbeiten und im ge
gebenen Fall energisch handeln — aber das ewige und
laute, in alle Welt dringende Reden von der »amerikanischen
Gefahr« ist des deutschen Volkes unwürdig. Wir müssen
uns Gewehr bei Fuß halten, das gebe ich zu. Auch
konzediere ich bedingungslos, daß keine Nation der Welt
so konkurrenzfreudig und wettbewerbsfähig ist wie zur
Zeit die amerikanische. Alles das kann und darf aber für
uns nur ein erhöhter Ansporn sein zu vermehrter Tätigkeit,
immerhin bei weisem Maßhalten, zu weiterer Ausgestaltung
unserer technischen und maschinellen Einrichtungen und —
ohne daß ich einem unheilvollen Zollkriege auch nur im
geringsten das Wort rede — zu der Forderung, daß im
ebenmäßigen Interesse unserer Ausfuhr wie unserer Einfuhr
ausgleichende, gerechte und langdauernde Tarifverträge
wie mit allen übrigen Kulturstaaten so auch mit Amerika
möglichst bald zum Abschluß gelangen.“
Können wir uns auch nicht gleich hoher Exportzahlen
rühmen, der Gesamtumfang des deutschen Außenhandels
übersteigt noch immer — auf die letzte vergleichbare
Periode, auf das Kalenderjahr 1902 berechnet — infolge