196 Prof, Dr. O0. Goebel:
zwecken durch weniger universelle Stoffe so weitgehend ersetzt
worden, daß es aus vielen Verwendungszwecken ganz und für immer
verdrängt ist. Vor allem sind freilich hierbei die Kosten der Umstellung
gegenüber den erreichbaren Vorteilen abzuwägen. Es ist ja heute
leider so, daß viele deutsche Firmen aus Mangel an Barmitteln zweifels-
frei feststehende Verbesserungen nicht vornehmen können. Der weniger
universelle, wenn auch bessere Roh- und Betriebsstoff hat auch noch
den Fehler größerer Abhängigkeit, so.z. B, waren Werke mit einfachen
Rostanlagen zu den Zeiten der wechselnden Brennstoffe der Kohlen-
zwangswirtschaft zum Teil besser imstande, fertig zu werden, als solche
mit hochwertigen, aber auch verwickelten und empfindlichen Spezial-
einrichtungen.
Von großer Bedeutung ist ferner die Abfallökonomie. Ihre Bedeu-
tung braucht nach den weltbekannten Erfolgen der deutschen chemi-
schen Industrie, deren hohe Rente zum guten Teil auf die restlose Aus-
nutzung aller Abfallstoffe zurückzuführen ist, nicht mehr nachgewiesen
zu werden, Aber in anderen Branchen steht es mit dieser Abfall-
ausnutzung noch sehr mäßig. Die Möglichkeit systematischer Abfall-
verwertung ist übrigens ein ausschlaggebender Gesichtspunkt bei der
Wahl der Betriebsgrößen.,
Von außen her gegeben ist ferner für den einzelnen Betrieb die
Notwendigkeit einer verbesserten Kalkulation, Die Zeit liegt noch gar
nicht sehr weit zurück, in der in vielen Industrien, ähnlich wie noch
heute vielfach im Handwerk, die Preise nachträglich gemacht wurden,
Je mehr aber vorherige bindende Preisabgabe notwendig wurde und je
geringer sich der Verdienst am einzelnen Stück gestaltete, um so wich-
tiger wurde die Kalkulation, Die Inflationszeit hat erwiesen, daß die
Kalkulation vor allem nicht schematisch erfolgen darf, soll nicht unbe-
rechenbarer Schaden angerichtet werden, sondern sie muß innere Wahr-
heit und Klarheit besitzen. Andererseits ist auf Grund steigender
Vertiefung des Wissens um die Kalkulationszusammenhänge bei den
verschiedenen Unternehmungen mehr und mehr eine gewisse Gleich-
mäßigkeit der Methoden festzustellen. Das bezieht sich aber nur auf
die Methoden; das Gewicht der einzelnen Kalkulationsfaktoren ist für
jedes Unternehmen verschieden. Noch auf einen Gesichtspunkt möchte
ich hinweisen: Ich halte es kalkulatorisch für falsch, voreilig die letzte
Karte auszuspielen, sondern gerade die genaue Kenntnis und die innere
Wahrheit der Kalkulationsmethoden gestattet, gewissermaßen Ver-
fahrensreserven zu bilden, d, h. sich schon auf weite Sicht neue be-
triebs- und absatztechnische Wege zu überlegen, auf Grund deren man
notfalls Preiszugeständnisse machen kann, wenn es unter dem Druck
des Wettbewerbs erforderlich wird. Wo man mit Aussicht auf den