Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

Erwachen einer Kulturkritik III 
Kultur noch weit entfernt, daß hier alles erst noch zu tun 
sei; die ganze amerikanische Zivilisation sei nur eine andere 
Art von Wüstheit gegenüber der, die sie vorgefunden und 
vernichtet habe. Nichts von alledem, was den Stolz der Ameri- 
kaner ausmacht, findet Gnade vor ihnen, und bei aller Kühle 
und Sachlichkeit ist ihre Verachtung und ihr Haß gegen- 
über den herrschenden Werten so intensiv, daß sie nicht 
selten überkompensiert erscheinen. Das Werk hat begreif- 
licherweise eine sehr zurückhaltende Aufnahme gefunden und 
ist vielfach aufs schärfste abgelehnt worden. 
Wem gilt der Protest? Er richtet sich zunächst gegen die 
utilitarische Weltauffassung, die da meint, daß Wohlstand 
und Komfort auch schon Kultur bedeuten und in ihrer Zu- 
nahme und in der wachsenden Mechanisierung des Lebens 
sogleich einen kulturellen Zuwachs erblickt, so daß die Glei- 
chung bigger gleich better immer aufgeht. Amerika kann 
sich damit entschuldigen, daß es bisher keine Zeit gehabt hat, 
sich der Ausbildung einer wirklichen Kultur zu widmen, aber 
es hat nicht das Recht, seine materiellen Fortschritte und 
seinen wirtschaftlichen Aufschwung als Index für einen eben- 
solchen geistigen zu nehmen. Alles bisher Geleistete ist nur 
eine Verwirklichung kleinbürgerlicher Ideale, und man kann 
Amerika aus der Geschichte streichen, ohne daß die Kultur 
eine spürbare Einbuße erleidet. Was nach der allgemeinen 
Auffassung die Kultur Amerika zu danken hat, hat der oben 
genannte Nationalökonom Carver so formuliert: „Allgemeine 
Erziehung durch öffentliche Schulen, Zugang für alle zu der
	        
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