fullscreen: Wissenschaftliches Arbeiten

Allgemeine Regeln 135 
des Themas zu trüben. Solche Spezialliteratur frommt dem Jünger 
eines Faches doch erst dann, wenn er sich an ein selbständiges Arbeiten 
mit dem primären Materiale gewöhnt hat“ (H. Schmidkunz in: Zts. für 
Philos. u. Pädag. 15 [1908] 510). Wir weisen im Verlaufe unserer 
Ausführungen wiederholt auf diese Gefahr hin. Aber in diesen „allge- 
meinen Regeln“ für die Quellenkunde durfte eine Mahnung über das 
Studium der gesamten einschlägigen Literatur nicht fehlen, obwohl 
diese dem Studium der eigentlichen Quellen folgen, nicht vorausgehen 
soll. Vgl. unten n. 48, 2. 
4A, Um zu einer allseitigen Quellenbenutzung zu ge- 
Jangen, genügt es in vielen Fällen nicht, sich auf das 
eigene Fachgebiet zu beschränken. Vor allem muß man 
die sogenannten Hilfswissenschaften beachten, die 
mehr oder weniger unmittelbar zur Erreichung des vorge- 
streckten Zieles auf dem eigenen Gebiete behilflich sein sollen. 
Man darf sich dabei aber nicht etwa mit jenen Diszi- 
plinen begnügen, die einem durch das Herkommen gewis- 
sermassen als offizielle Helfer bezeichnet werden. Die 
Schranken, die in der Theorie zwischen den einzelnen Ge- 
bieten des Wissens aufgerichtet sind, bestehen für die 
Praxis nur in einem sehr begrenzten Maße. Vielgestaltig 
tritt uns zwar die Wahrheit entgegen, deren Erforschung 
sich. die verschiedenen Wissenschaften zum Ziele setzen. 
Aber als Abglanz der einen ewigen Wahrheit besitzt doch 
auch der Gegenstand des menschlichen Forschens bei aller 
Mannigfaltigkeit eine gewisse organische Einheit und be- 
wirkt so den einheitlichen Zusammenhang alles Wissens. 
Infolge dieser organischen Zusammengehörigkeit sehen wir 
auf allen Seiten die Grenzgebiete ineinander hineinragen 
und sich gegenseitig voraussetzen und ergänzen. Je nach 
der Beschaffenheit des eigenen Gegenstandes werden diese 
Grenzgebiete sehr verschieden sein. Wir müssen denselben 
aber ernstlich unsere Aufmerksamkeit zuwenden und auch 
die Quellen und Hilfsmittel dieser Grenzgebiete für unsere 
Arbeit zu Rate ziehen. 
In manchen Fällen wird man selbst in scheinbar ganz entlegene 
Gebiete hinübergreifen müssen. Der Philologe, der einen patristischen 
Text zu bearbeiten unternimmt, wird ohne Theologie seiner Aufgabe 
nicht gerecht werden können, obwohl dieselbe nicht wie die Palaeo-
	        
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