Full text: Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

S. Wertheimer, Feuerversicherung und andere Sachschadenversicherungszweige. 89 
die Kapitalerträgnisse der Betrieb 
°/o °/o 
1907/08 .... 64,59 35,41 
1908/09 .... 53,85 46,15 
Aus dieser Aufstellung darf nicht etwa der Schluß gezogen werden, 
als ob in steigendem Maße der Betrieb zum Kapitalzuwachs beitrüge. 
Diese Erscheinung dürfte eine mehr zufällige sein, da das rasche An 
wachsen in den letzten Jahren eine erhebliche Vermehrung der Reserven nötig 
wachte, deren Stärkung übrigens durch die Katastrophe von San Franzisko 
nahegelegt wurde. 
Wenn wir die wirtschaftliche Bedeutung der Kapitalvermehrung richtig 
erfassen wollen, so müssen wir, abgesehen von der unten noch zu erörternden 
Art der Kapitalanlagen in erster Reihe den Zweck der Kapitalansammlung 
einer Prüfung unterziehen. Dabei kommen folgende Hauptposten in 
Frage: Prämienüberträge, Schadenreserve, Aktienkapital und freie Reserven. 
Das Wesen der beiden ersten, der sogenannten technischen Reserven haben 
wir bereits oben erörtert. Es handelt sich hier um Deckungskapitalien 
!br wirkliche Schulden, deren Höhe allerdings nur annähernd auf Grund 
früherer Erfahrungen festgestellt werden kann. Die freien Reserven um 
fassen die gesetzliche Kapitalreserve, die Spezialreserven, Kapitalverlust- 
reserve, Organisationsfonds, Neubausonds u. dergl. Richt berücksichtigt 
sind die Beamtenfonds und dergl., da deren rechtliche Natur zu ver 
schieden ist. Dem Betrage nach sind diese Fonds übrigens nicht von er 
heblicher Bedeutung. Dem Aktienkapital entspricht bei den Gegenseitigkeits- 
gesellschasteu das Garantiekapital, das aus diesem Grunde für die gegen 
wärtige Betrachtung mit jenem zusammengefaßt werden kann. Die beiden 
technischen Rückstellungen, das Aktien- bzw. Garantiekapital und die 
freien Reserven erschöpfen den Betrag der Kapitalanlagen nicht vollkommen. 
Das rührt daher, daß den Kapitalanlagen, auch abgesehen von den oben 
berührten technischen Verbindlichkeiten Schulden gegenüberstehen. Be 
sonders ist naturgemäß der Grundbesitz, wenn auch nicht gerade erheblich, 
wit Hypotheken belastet. Auch die Guthaben anderer Versicherungs- 
Mternehmungen wiegen einen Teil der Aktivwerte auf, so daß die Aktiv 
ierte das wirtschaftliche Reinvermögen der Gesellschaften insoweit über 
steigen. An dieser Stelle interessiert es jedoch nur die Zusammensetzung 
bleses Reinvermögens zu überblicken: 
Die am Schlüsse des Jahres vorhandenen Prämienüberträge beliefen 
sich auf
	        
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