Strukturwandlungen der Weltwirtschaft
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dern sogar erst hervorgerufen. Daß inzwischen ein gewisser Rückschlag
eingetreten ist und zahlreiche Knospen nicht zur Blüte gelangten, weil
man die »natürlichen« Widerstände unterschätzt und auch die Erwer-
dung der kultürlichen Vorbedingungen als zu leicht angesehen hat, tut
grundsätzlich, nichts zur Sache — so gern gerade dies in der Literatur
hervorgehoben wird. Als Ergebnis bleibt, daß die internationale Arbeits-
teilung je länger desto weniger der Vorstellung entspricht, die sich, land-
läufig von ihr herausgebildet hat. Was sie unter den heutigen Verhält-
nissen überhaupt begreift, ist schwer zu sagen. Am besten tun wir
wahrscheinlich, den ganzen Begriff fallen zu lassen und unter Kenn-
zeichnung der Entwicklungstendenzen internationaler Produktions-
differenzierung und der auf sie einwirkenden markt- und raum-
wirtschaftlichen Faktoren eine der Wirklichkeit entsprechende Termi-
nologie aufzubauen.
Noch deutlicher erkennt man diese Notwendigkeit bei Betrachtung
einer andern Problematik. Gewinnwirtschaftliches, der Industrialisierung
zugewandtes Zielstreben ist kostenorientiert. Raumwirtschaftliche
Orientierung kann sich innerhalb gewisser Grenzen, von denen noch
die Rede sein wird, über das »wirtschaftliche Prinzip« hinwegsetzen, ist
Srundsätzlich aber auch an jene Standortsgesetze gebunden. Tatsächlich
liegen die Verhältnisse nun so, daß unter dem Gesichtspunkt des
Raumganzen der Weltwirtschaft ein beträchtlicher Teil der gewerb-
lichen Produktion gegen die Standortsgesetze verstößt. Eben darin
liegt der Spielraum, der kapitalistischer und raumwirtschaftspoli-
tischer, auf Industrialisierung bedachter Zielsetzung noch auf unab-
Sehbare Zeit verbleibt. Es lohnt sich, dies wenigstens mit einigen
Worten zu erläutern.
Jahrtausende hindurch ist gewerbliche Tätigkeit im wesentlichen
tohstofforientiert gewesen. Erst mit dem Fortschreiten des Verkehrs-
Wesens wird die Emanzipation von der Rohstoffbasis möglich, gewinnen
lie kultürlichen Produktionsbedingungen an Bedeutung, werden die
Rohstoffe Tausende von Meilen von ihrem Gestehungsort entfernt
verarbeitet und kehren in Form von Fertigerzeugnissen dorthin zurück,
von wo sie gekommen waren. Die geringe durch den Transport verur-
Sachte Kostendifferenz fällt gegenüber den kultürlichen Vorzügen nicht
ns Gewicht. Karl Knies hat diese Wandlung schon im Jahre 1853
Sekennzeichnet : »Bei näherer Erwägung stellt sich jedoch heraus, daß jede
nit dem Fortschritte der Cultur herbeigeführte Erleichterung des Trans-
bortes doch auch die Erträgnisse der reichlicheren und wohlfeileren Roh-
Production eines von der Natur bevorzugten Landes für andere Nationen
kichter zugänglich macht, so daß man den allgemeinen Satz auf-
;tellen kann, daß durch die Fortschritte in der. Communication der