Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Vorrede. 
hiermit erreicht eine Arbeit ihr Ziel, der ich nun fast 17 Jahre (1887-1904) den 
größeren Teil meiner Kräfte widmete, die in gewissem Sinne das Facit meines 
wissenschaftlichen Lebens zieht. Niemand sieht ihre Unvollkommenheit mehr ein, 
als ich selbst. Einen vollendeten-Überblick über die Wissenschaft der Volkswirt— 
schaftslehre zu geben, überschreitet heute die Kräfte jedes einzelnen. Ihn zu geben 
vom wirtschaftshistorischen Standpunkt aus, ist doppelt schwierig; ich war fast Seite 
für Seite genötigt, Encyklopädisches, Generalisierendes zu geben, das weder mich 
noch die historischen und volkswirtschaftlichen Detailforscher ganz befriedigen kann. 
Und doch freue ich mich des Werkes. Ich habe den größeren Teil meiner 
über 40jährigen wissenschaftlichen Tätigkeit der nationalökonomischen und wirtschafts— 
geschichtlichen Detailforschung gewidmet, aber ich habe stets ebenso sehr mich bemüht, 
diese Specialforschung in den Dienst der allgemeinen Probleme unserer Wissenschaft 
zu stellen, mir das rechte Augenmaß für den Wert des einzelnen eben dadurch zu 
wahren, daß ich die großen Richtlinien der wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen 
und psychischen Gesamtentwickelung mir klar zu machen suchte. Ich wollte die Volks— 
wirtschaftslehre von falschen Abstraktionen durch exakte historische, statistische, volks— 
wirtschaftliche Forschung befreien, aber doch stets zugleich generalisierender Staats— 
und Wirtschaftstheoretiker so weit bleiben, als wir nach meiner Überzeugung heute 
schon dazu festen Grund unter den Füßen haben. Wo solcher mir zu fehlen scheint, 
da habe ich auch im Grundriß lieber nur die Thatsachen beschrieben und einige 
Entwickelungstendenzen angedeutet, als luftige Theorien aufgebaut, die mit der 
Wirklichkeit nicht in Fühlung stehen, bald wieder wie Kartenhäuser zusammen— 
fallen. 
So unvollkommen also mein Grundriß bleiben mag, so wenig er die theoreti— 
schen Nationalökonomen wie die eigentlichen Historiker ganz befriedigen wird, der 
Versuch solch' allgemeiner Zusammenfassungen ist nicht überflüssig und nicht un— 
fruchtbar. Er mußte von einem Wirtschaftshistoriker unternommen werden, der 
es immer als einen falschen Vorwurf empfunden hat, er strebe nur nach Schilderung, 
nicht nach allgemeiner Erkenntnis der Gesetzmäßigkeit des wirtschaftlichen Lebens. 
Nur mit einer solchen vom Ganzen aus entworfenen Darstellung kann man den 
größeren Zwecken aller wissenschaftlichen Erkenntnis dienen. Ich überhebe mich nicht, 
wenn ich sage, ich habe das Werk im Dienste der leitenden volkswirtschaftlichen 
Ideen und Strömungen unserer Zeit und der Ideale geschrieben, die mein Leben 
beherrschen. Ohne irgend anderen Richtungen zu nahe zu treten, glaube ich sagen 
zu können, es sei angezeigt gewesen, daß ein Grundriß der Volkswirtschaftslehre 
gerade von einem Gelehrten geschrieben wurde, der ebenso Verfassungs-, Ver— 
waltungs⸗ und Wirtschaftshistoriker ist wie Nationalökonom, der die pfychischen und 
socialen Entwickelungsprozesse ebenso verfolgt wie die rein wirtschaftlichen, der mit 
den viel größeren Mitteln der heutigen Wirtschaftsgeschichte an das Unternehmen 
ging, das Roscher vor 50 Jahren in Angriff nahm. 
Ob ich nun das mir gestellte Ziel erreicht habe, darüber mögen andere, mögen 
die kommenden Generationen urteilen. Ich hoffe jedenfalls, der Grundriß werde 
für meine rein nationalökonomischen Schüler, deren ich mich ebenso freue wie 
der wirtschaftsgeschichtlichen, den Ausgangspunkt bilden, die Theorie immer weiter 
durch exakte Thatsachenforschung aller Arl zu unterbauen. Was mich selbst betrifft,
	        
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