Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

keit als einen Fortschritt betrachtet oder nicht. Poli- 
tische und soziale Erwägungen müssen dabei allerdings 
außer acht gelassen werden. Trotzdem hat seine Lauf- 
bahn natürlich eine politische Seite. Er hat stets da- 
nach gestrebt, die Macht des Kapitals zu vermehren, 
und es ist ihm gelungen, Durch ihn, mehr als durch 
irgendeinen anderen Menschen, ist das Kapital der 
Weltherrscher geworden, und das ist die Verquickung 
mit der Politik. 
A 
Mit Bezug auf die unbestreitbare Genauigkeit sei- 
ner Entschlüsse ist es reizvoll, daran zu denken, daß 
er fast Mathematiker geworden wäre. Während seiner 
Studienzeit in Göttingen warf er sich fast ausschließ- 
lich auf die Mathematik, und er verbrachte mit dem 
Mathematikprofessor oft Stunden mit der Lösung ver- 
wickelter Probleme, Später einmal besuchte dieser 
Professor zufällig die Vereinigten Staaten, und eine 
Anzahl New Yorker, die zusammen in Göttingen stu- 
diert hatten, gaben ihm ein Essen. Im Gespräch sagte 
der alte Gelehrte, er freue sich wirklich, .daß sein 
ehemaliger Schüler Morgan eine so erfolgreiche Lauf- 
bahn als Finanzmann eingeschlagen habe. „Aber ich 
bedaure doch“, fuhr er fort, „daß Sie nicht auf der 
Universität geblieben sind. Ich hätte Sie zu meinem 
Assistenten gemacht, und zweifellos wären Sie nach 
meinem Tode an meiner Stelle ordentlicher Professor 
der Mathematik in Göttingen geworden.“ 
Vielleicht ist die Enttäuschung des Gelehrten dar- 
über, daß Morgan nicht Mathematikprofessor gewor- 
den ist, nicht so ganz unangebracht, wie sie auf den 
ersten Blick scheint. Es lohnt sich wohl, ihn einmal 
von dem Gesichtswinkel aus zu betrachten, in dem er 
seinem alten Lehrer erschien. Man wird finden, daß 
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