Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

XXVIIH 
Vorwort des Herausgebers. 
Selbst Engels hat in seinen ergänzenden Noten zur dritten und 
vierten Auflage auch nicht annähernd nach Vollständigkeit ge- 
trachtet, sondern nur hier und da, wo er sich gerade dazu angeregt 
fühlte, eine ergänzende Bemerkung gemacht. Das mochte auch vor 
einem Vierteljahrhundert genügen, wo die Veränderungen gegen- 
über den Marxschen Schilderungen noch nicht so weit gediehen 
waren. 
Natürlich durfte ich nicht von diesen Engelsschen Noten absehen. 
Die Neuausgabe sollte nirgends ärmer sein als ihre Vorgänger. Ich 
mußte die Engelsschen Zusätze benutzen. Aber ihnen gegenüber 
galten nicht die Bedenken, die ich eben dargelegt. Etwaige Ver- 
änderungen der letzten Jahrzehnte darzulegen, war hier stets mit 
wenigen Worten möglich, wo es überhaupt notwendig wurde. Ich habe 
überall dort die erforderlichen Zusätze gemacht. 
Darüber hinauszugehen, das Marxsche Gesamtwerk zu moderni- 
sieren, fühlte ich mich ‚als sein Herausgeber weder berufen noch 
berechtigt. Bei aller Aktualität, die es heute noch erfüllt und es 
zum lebenskräftigsten Werke unserer Literatur macht, ist es doch 
ein historisches Dokument und als solches zu lesen. Der Leser darf 
nie vergessen, daß es .einer andern Zeit entstammt als der heutigen, 
der Zeit des Industriemonopols Englands, des Manchestertums, des 
Freihandels, der Zeit, in der der Liberalismus und nicht die Sozial- 
demokratie der Angelpunkt war, um den sich alle Politik drehte. 
Wenn Marx im „Kapital“ von „jetzt“ spricht, bezieht sich das 
indes nicht immer auf das gleiche Jahr. Die erste Auflage wurde 
1867 fertiggestellt, die zweite 1872, das letzte Heft der französischen 
Uebersetzung 1875. Jede dieser Ausgaben brachte ‘Neuerungen und 
Zusätze. Verschiedene Sätze und Noten in den späteren Auflagen 
rühren also aus verschiedenen Zeiten her. Wo sie von: „jetzt“ 
sprechen, wurde es daher notwendig, in jedem Falle festzustellen. 
welches Datum damit gemeint ist. 
So wenig aber wie den historischen, wollte ich den lokalen Cha- 
rakter des Werkes antasten. Wohl wirkt es sehr störend, daß Marx 
last nur mit englischen Maßen, Gewichten und- Geldeinheiten ope- 
riert, die dem deutschen Leser so wenig vertraut sind und das Rech- 
nen so schwerfällig machen. Marx selbst hatte in der französischen 
Uebersetzung versucht, französische Bezeichnungen für die eng- 
lischen einzusetzen, mit Franken, Metern und ‘Kilogrammen zu 
operieren, es aber bald aufgegeben. Denn schließlich konnte er 
nur bei den erfundenen Beispielen diese Umwandlung vornehmen, 
nicht bei den dem Leben entnommenen, die alle der englischen 
Wirklichkeit entstammten und ihren Stempel {rugen.
	        
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