Full text: Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

der Auslandskonkurrenz leistungsfähig zu machen. Heute werden 
die bäuerlichen Produkte in Deutschland zum Teil durch Auslands- 
produkte vom Markt verdrängt. Die Maßnahmen des Notprogramms 
fügen zur Auslandskonkurrenz die überlegene Inlands- 
konkurrenz der Großbetriebe hinzu. 
Anfang Juli war über sämtliche Mittel des „Hilfsprogramms”. 
soweit die „Förderung des Absatzes‘ in Frage kam. schon verfügt. 
d) Die Rationalisierung der Genossenschaften 
Das ganze Werk des „Notprogramms‘ wird gekrönt durch das 
Bestreben zur Schaffung preisdiktierender Monopole, 
sei es halbstaatlichen oder privaten Charakters, Die landwirt- 
schaftlichen Genossenschaften sind die gegebenen In- 
strumente für diesen Zweck. 25 Millionen Mark sind vom Reich zur 
„Rationalisierung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens” 
bereitgestellt. In den Erläuterungen ist bemerkt: 
„Das Jandwirtschaftliche Genossenschaftswesen muß in die Lage ver- 
setzt werden, bei der gespannten Wirtschaftslage den Aufgaben der 
Finanzierung des landwirtschaftlichen Personalkreditsbedarfs und des 
Warenumsatzes in den dafür zweckmäßigsten Organistions- 
formen gerecht zu werden, Die dringenden Probleme der Standardi- 
sierung der landwirtschaftlichen Produkte, sowie der Organisation des 
Absatzes der landwirtschaftlichen Erzeugnisse kann die deutsche Land- 
wirtschaft nur mit Hilfe eines einheitlichen geschlossenen 
Genossenschaftswesens erreichen,” 
Natürlich spricht man nirgends von der Erhöhung der Preise, sondern 
immer nur von der Stabilisierung der Preise oder einem 
„Preisausgleich‘, Als Begründung wird angeführt, das fortwährende 
starke Schwanken der Preise mache jede Kalkulation unmöglich, es 
schade sowohl dem Produzenten wie dem Konsumenten, Dieses 
starke Schwanken sei auch ein wesentlicher Grund der‘ hohen 
Spannen zwischen Erzeuger- und Händlerpreisen, denn es erhöhe 
das Risiko der Händler. Zweifellos haben die Befürworter des „Not- 
programms'‘ mit dieser Argumentation bis zu einem gewissen Grade 
recht. Sie verbergen aber geflissentlich die Tatsache, daß diese 
Schwankungen ihren Grund nicht allein in dem Saisoncharakter der 
Landwirtschaft und der Ungleichmäßigkeit der Ernten haben, sondern 
in der wachsenden Beherrschung des internationalen Getreide-, 
Fleisch- und Futtermittelmarktes durch die großen monopolartigen 
Organisationen (Weizenpool!), Exportfirmen, Händlerringe, Mühlen- 
konzerne, daß also durch die Verstärkung dieses privatmonopolisti- 
schen Charakters der Absatzorganisationen die Schwankungen nicht 
beseitigt, sondern nur auf erhöhter und erweiterter Grundlage 
reproduziert werden. Die Bestrebungen der SPD., den staats- 
kapitalistischen Charakter der Monopole (Reichsgetreidemonopol) zu 
verstärken, ändern an dieser Tatsache nichts, da der Staatskapitalis- 
mus in der Periode‘ des Imperialismus ja nur ein Werkzeug der Dik- 
tatur des privaten Monopolkapitals ist. 
Daß auch die staatskapitalistische „Preisstabilisierung‘ in einer 
hochentwickelten kamnitalistischen Wirtschaft wie in Deutschland 
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