fullscreen: Fortschritt und Armut

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Arbeitslohn und Kapital. 
Buch I. 
Prüfen wir die Frage an den Tatsachen. Nehmen wir z. B. 
einen Arbeitgeber, der Rohstoffe in fertige Fabrikate umwandelt — 
Baumwolle in Schilling, Eisen in Lisenwaren, Leder in Stiefeln usf. 
— und der, wie es gewöhnlich geschieht, seinen Leuten einmal wöchent 
lich zahlt. Macht man am Montag Morgen, vor Beginn der Arbeit, 
ein genaues Inventar seines Kapitals, so wird es aus seinen Gebäuden, 
Maschinen, Rohstoffen, seinem baren Gelde und seinen Vorräten 
an fertigen Waren bestehen. Wir wollen der Einfachheit wegen an 
nehmen, daß er während der Woche weder ein- noch verkaufe, und, 
nachdem die Arbeit aufgehört und er seine Leute am Sonnabend Abend 
bezahlt hat, ein neues Inventar seines Kapitals mache. Der Vorrat 
an barem Gelde wird verringert sein, denn es sind davon die Löhne 
gezahlt worden; es werden weniger Rohstoffe, weniger Kohlen ic. 
vorhanden fein, und von dem Werte der Gebäude und Maschinen 
muß für die Abnutzung der Woche ein entsprechender Abzug gemacht 
werden. Macht er jedoch, wie dies durchschnittlich der Fall sein muß, 
ein nuhenbringendes Geschäft, so wird der Vorrat fertiger Mare so 
viel größer geworden sein, daß alle diese Verminderungen ausgeglichen 
werden und in der Gesamtsumme eine Kapitalvermehrung sich heraus 
stellt. Somit wurde offenbar der Betrag, den er seinen Leuten zahlte, 
nicht aus seinem oder sonst jemandes Kapital entnommen. Derselbe 
kam nicht aus einem Kapital, sondern aus dem durch die Arbeit selbst 
geschaffenen Werte. Es konnte dabei von einem Kapitalvorschuß nicht 
mehr die Rede sein, als wenn er seine Leute zum Muschelsuchen ge 
dungen und sie mit einem Teil der gefundenen Muscheln bezahlt hätte. 
Ihr Lohn war so wahrhaftig das Ergebnis ihrer Arbeit, als es „lange 
vor der Aneignung des Grund und Bodens und der Ansammlung von 
vermögen" der Lohn des Urmenschen war, wenn er eine Auster dadurch 
erlangte, daß er sie mit einem Stein von den Bänken abschlug. 
Da der Arbeiter, der für einen Arbeitgeber arbeitet, seinen Lohn 
nicht eher erhält, als bis er die Arbeit getan hat, so ist sein Fall ein 
ähnlicher, wie der des Depositors in einer Bank, der kein Geld heraus 
ziehen kann, wenn er nicht welches hineingetan hat. Und so wenig der 
Bankdepositor dadurch, daß er sein Deposit herauszieht, das Bank 
kapital vermindert, so wenig können die Arbeiter durch den Empfang 
von Löhnen auch nur zeitweise das Kapital des Arbeitgebers oder das 
Gesamtkapital des Gemeinwesens vermindern. Ihr Lohn kommt so 
wenig aus dem Kapital, als die Schecks des Depositors auf das Bank 
kapital gezogen werden. Allerdings erhalten die Arbeiter beim Empfang 
ihrer Löhne in der Regel nicht gleichartige Güter, wie sie sie geschaffen 
haben, ebensowenig wie Bankdepositoren dieselben Münzen oder Bank 
noten zurückerhalten, die sie eingezahlt haben; aber sie erhalten den 
gleichen Wert zurück, und wie wir mit Recht sagen können, daß der 
Depositor sein eingezahltes Geld zurückerhält, so können wir auch mit
	        
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