Object: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

Geschäftigkeit und Ungründlichkeit 9 
älteren Leute sehen wollen, so müssen Sie auf den Kirchhof 
gehen‘. Man will überall junge, unabgenutzte Kräfte haben, 
aus denen man in der Zeit ihrer besten Kraftentfaltung das 
letzte herausdrückt, sie dann freilich auch hoch bezahlt. 
Früher als in Europa fängt man an, etwas zu gelten, und 
kann darauf rechnen, auch schon in jungen Jahren zu einem 
hohen Posten zu gelangen. 
Ein amerikanischer Industrieller, der zu vergleichenden Stu- 
dien viel in Europa gereist ist, will die Feststellung haben 
machen können, daß der Durchschnittsamerikaner von 
45 Jahren so aussieht wie ein Nordeuropäer von 60 Jahren #0. 
Der scharfe Wettbewerb, die ununterbrochene Anspannung, 
bei der auch die Mahlzeiten nur eine unangenehme Unter- 
brechung oder auch eine Fortsetzung der Arbeit bedeuten, 
hat die Amerikaner einerseits zu einem „Volk von Dyspep- 
tikern‘““ 41 werden lassen, andererseits im Verein mit der Fülle 
der durch den Puritanismus verdrängten Triebe einen beson- 
ders günstigen Boden für die Entstehung der Nervenschwäche 
abgegeben. Es ist doch wohl bezeichnend, daß das Krankheits- 
bild der Neurasthenie zuerst von einem Amerikaner beschrie- 
ben ist, auch von ihm ihren Namen erhalten hat, und daß er 
sie geradezu eine amerikanische Krankheit hatte nennen 
können 42, 
Die Hochwertung der Arbeit und die Arbeitsfreudigkeit 
arten natürlich nur zu leicht in Geschäftigkeit, in ein 
„work for works sake‘“ aus und andererseits gibt, was Achtung 
erweckt, auch stets Anlaß zum Renommieren. Wo jeder so
	        
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