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Römerstraßen.
nußgroße Kiesel Verwendung. Die vierte Lage bildete die Abdeckung der Straße.
Diese Schicht wurde „Summa crusta“ genannt und bestand aus Pflaster oder Be
schotterung. Die Straße wurde der Breite nach in drei Teile getrennt. Der mittlere,
meist etwas gewölbte Teil hieß „Agger“. Derselbe war von den Seitenwegen durch
Bordsteine abgesondert. An den Fahrbahnen standen besondere Steine zum Aufsteigen
der Reiter. Diese Vorkehrung war nötig, da man die Steigbügel nicht kannte. Diese
Erfindung wurde in Europa erst im 4. Jahrhundert bekannt.
Die oben angegebenen fünf Hauptrouten bildeten die Hauptmaschen des römischen
Straßennetzes, das durch Straßen untergeordneter Bedeutung in eine große Anzahl
engerer Maschen zerlegt wurde. Man schied die Straßen in Heer- und Provinzial
straßen, Gemeindewege, Fußpfade und Hohlwege. Der französische Gelehrte Bergier hat
die Gesamtlänge auf 10000 geographische Meilen geschätzt, eine Zahl, welche die neuere
Forschung als etwas zu hoch ansieht. Die Aufsicht über dieses wichtige Gebiet lag
besonderen Kommissionen ob. Es galt für eine sehr hohe Ehre, mit der Oberaufsicht
(curatorss) betraut zu werden. Die Unterhaltung erfolgte aus öffentlichen Mitteln und
wurde in den meisten Fällen dem Mindestfordernden übertragen. Julius Cäsar ordnete eine
allgemeine Straßenvermessung an, ein Unternehmen, das erst unter Augustus vollendet wurde.
Hervorragende Verdienste auf dem Gebiete des Straßenbaues fanden durch Er
richtung von Ehrenbogen einen sichtbaren
Ausdruck. So wurde im Jahre 27 v. Chr.
Augustus in Rimini ein solcher Bogen er
richtet. Aus gleicher Veranlassung errichtete
man Kaiser Trajan einen Ehrenbogen in
Benevent. Mit dem römischen Straßenbau
hängt ans das engste die Ausbildung des
römischen Postwesens, des cursus publicus,
zusammen. In den Zeiten der Republik wur
den die Regierungs-Depeschen lediglich durch
Eilboten (viatorcs) übermittelt. Zur Be- 27. Gurrschnitt -in« N-merstrußc.
schleunigung ihrer Beförderung wurde ein
ausgebildetes Vorspannwesen eingeführt. Die Entstehung des eigentlichen enrens publicus
fällt in die Kaiserzeit. Augustus ivurde auch bei dieser Schöpfung von seinem Freund und
Schwiegersohn Agrippa thatkräftig unterstützt. Das gesamte Straßennetz wurde in bestimmte
Wegestrecken eingeteilt. An diesen Teilpunkten befanden sich Stationen, die man nach ihrer
Bedeutung in naansionss und inutationes unterschied. Die Entfernung zwischen je zwei
mansiones, die nicht selten mit prächtig eingerichteten Wvhngemächern der Kaiser aus
gestattet waren, betrug eine Tagesreise. Die mntationes waren Fntterstationen. Auf
den Stationen befand sich die nötige Anzahl Pferde (etwa 40), damit jederzeit ein
Pferdewechsel eintreten konnte. Zum Ziehen der Wagen, die eine sehr verschiedene
Gestalt aufwiesen, wurden Pferde, Ochsen, Maulesel und Esel benutzt, der eigentliche
Postreisewagen, die rlieda currens, konnte 2 bis 4 Personen aufnehmen. Alle Einzel
heiten des gesamten Betriebs waren auf das genaueste geregelt. Die oberste Leitung des
euren» publicus lag in den Händen des Praefectus praetorii. Die Geschichte hat die
von einzelnen hervorragenden Persönlichkeiten auf den Römerstraßen zurückgelegten
Schnellfahrten verzeichnet. Cäsar namentlich war wegen seiner raschen Reisen berühmt,
nach Sueton legte er mittels Wagen in einem Tage 148 km zurück, d. h. also bei einer
13 bis 14 ständigen täglichen Fahrzeit etwa 11 km in der Stunde. Als durchschnittlich
erzielte Geschwindigkeit kann die von 6 bis 8 Meilen Pro Tag bezeichnet werden. Im
großen und ganzen diente der euren» ptiblicus ausschließlich Staatszwecken. Die Reisen
den waren Staatsbeamte, Militärpersonen, Veteranen und solche Personen, denen aus
nahmsweise ein Fahrschein (evsctio) erteilt worden war. Die Unterhaltung dieser
Verkehrseinrichtung lag den Provinzbewohnern ob, die auch für die Versorgung der
Reisenden aufkommen mußten. Die Belastung der Betroffenen war eine sehr erhebliche,
und hierauf ist es zurückzuführen, daß im Gegensatz zu unserer Zeit nicht selten Proteste
gegen die geplante Durchführung des euren» publicus durch irgend eine Gegend von
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