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kratie nachgewiesen, daß sie für die Herrschaft der Bestechung und
Korruption verantwortlich sei, daß sie den Geist der Politik verdorben,
das Niveau der Presse erniedrigt und die Gesellschaft herabgewürdigt
habe.
Doch abgesehen von allem diesen, übt der Besitz noch einen spe
ziellen, wenn auch indirekten Einfluß aus, der sich jenseits der im
bloßen Wahlakt der Begüterten gelegenen Macht erstreckt. Der Be
sitz hat seine Anhänger und verfügt über deren Kräfte; er bezahlt den
Flötenspieler und kann die politischen Parteien nach seiner Melodie
tanzen lassen. Der Besitz kontrolliert die Presse, und er hat zahllose
Mittel, die öffentliche Meinung bald nach dieser, bald nach jener
Richtung zu beeinflussen. Wer das Geld in der Politik spielen lassen
kann, hat trotz allen Verbots korrupter Praktiken und trotz demokra
tischen Wahlrechts jedem den Vorsprung abgewonnen, der in gleicher
Wehr nicht streiten kann. Auch ohne das geringste Wahlprivilegium
wird der Besitz über politische Vorteile gebieten und sie auch stets
ausnutzen.
Aber der entscheidendste Einwand gegen die Idee, daß der Besitz die
Bedingung und das Merkmal der Wahlfähigkeit sein soll, muß noch erst
angeführt werden. Durch die Erweiterung ihrer Eigentumssphäre wird
die Gesellschaft wirksamer organisiert. Die persönliche Freiheit kann
erst nutzbringend werden, wenn die gesellschaftlichen Eigentums
rechte an den hauptsächlichsten Produktionsmitteln das Individuum
gegen die Wirrnis schützt, die das System der privatrechtlichen Rege
lung dieser Objekte verursacht; die individuelle Freiheit, Eigentum
zu besitzen, wird erst möglich, wenn sie durch das gesellschaftliche
Eigentum an jenen Sachgütern bedingt ist, die als Materie des Privat
eigentums Armut erzeugen. In einer Zeit gesellschaftlicher Zerrüttung,
die unter dem bekannten Zeichen des ökonomischen Individualismus
steht, ranken die Privatinteressen an jeder Form der Ungerechtig
keit, der Ausbeutung und des Verfalls empor. Der Heller der Witwe
findet im Landmonopol Verwendung, und die Ersparnisse des Arbei
ters werden in elenden Behausungen investiert. Unrecht wird ins so
ziale Gewebe gewoben, und die Fäden können ohne Beschädigung des
Gewebes nicht entfernt werden. Die moralischen Ansprüche, die der
Einzelne mit steigender Beharrlichkeit an die Gesellschaft stellt, und
der Druck der Konkurrenz zwingen uns, über die Mittel zur Aufhebung