Rönigtum und Kämpfe zwischen Fürsten, Adel und Städten. 377
Karl IV. hatte sich, nachdem Urban ihm seinen Wunsch
erfüllt, offen auf dessen Seite gestellt und durch eine kluge
Interventionspolitik dem Gegenpapst Abbruch zu thun gesucht!.
Jetzt war die Frage, was Wenzel thun werde.
Bald zeigte sich, daß für ihn auch in diesem, Deutschland
als Träger der weltlichen Universalgewalt besonders berührenden
Falle nur Interessen der Hauspolitik vorhanden waren. In
dieser Richtung kamen folgende Verhältnisse in Betracht:
Einerseits war Sigmund, Wenzels jüngerer Bruder, mit
Maria, der vermutlichen Erbin Polens und Ungarns, einer
Tochter König Ludwigs des Großen, verlobt?. Daraufhin er⸗
warteten das luxemburgische Haus wie Ludwig Sigmunds
Nachfolge in beiden Reichen. Nun war aber außerdem noch
ein anderer Prätendent vorhanden, Karl von Durazzo. Dieser
konnte gleichzeitig Ansprüche auf Neapel geltend machen. Ihn
suchten nun die Luxemburger wie Ludwig in der Richtung auf
Reapel um so mehr abzudrängen, als Johanna, die Königin
von Neapel, ihren Gemahl, Ludwigs Bruder, im Jahre 1345
aufs grausamste hatte umbringen lassen. Nun stand aber
Johanna auf seiten Clemens' VII.: Grund genug, daß sich
Ludwig wie Wenzel zu Urban VI. hingezogen fühlten.
Andererseits war die zweite Tochter König Ludwigs, Hedwig,
derlobt mit Wilhelm, einem Sohne Herzog Leopolds von sterreich.
Konnte da nicht Wilhelm, wenn anders Leopold die Verhältnisse im
Osten scharf ins Auge faßte, ein Nebenbuhler Sigmunds werden?
Es galt also für die Luxemburger, die Habsburger im Westen zu
beschäftigen: darum sah sie Wenzel gern in die Kämpfe zwischen
Adel, Städten und Fürsten eingreifen, und Herzog Leopold
handelte hier zeitweis geradezu in seinem Auftrag. Außerdem aber
stand Leopold in Sachen des Schismas auf seiten Clemens' VII.:
so war es für Wenzel unmöglich, diesem Papste schroff ent—
gegenzutreten, ohne das für die luxemburgische Hauspolitik
wünschenswerte Verhältnis zu Leopold in Frage zu stellen.
Aus alledem ging für Wenzel als Ziel des Handelns
hervor, zwischen den Päpsten zu lavieren.
1 S. oben S. 358. — 2 S. oben S. 356.