Die Rechnung.
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winne und Verluste (in der Gewinn- und Verlustrechnung) nach alter und neuer
Rechnung durohzuführen. Die Bewertung, die wir am Äbschlußtage hinsichtlich
der noch nicht erledigten Bestände an Waren, Forderungen, Wechseln, Voraus
zahlungen u. a. m. vornehmen, mag sie uns auch noch so schwer (und proble
matisch) erscheinen, diese Bewertung dient allein dem Ziel, den Kapitalgewinn- oder
-Verlust zu ermitteln (Näheres 2. Buch D). Mit dieser Kapital- und Gewinnrech
nung ist der Wirtschaftsbetrieb als Unternehmung in der heutigen, ebenfalls auf
Geld beruhenden Erwerbswirtschaft verwurzelt, aus der auch wir ein Geldeinkom
men, sei es als Lohn, Gehalt oder Honorar, beziehen.
Natürlich kann die Bilanzziehung — Bewertung — vom richtigen Weg abkommen, wenn
von außen her kommende Gesichtspunkte bei der Feststellung des Gewinnes oder des Ver
lustes berücksichtigt werden sollen, wie dies z. B. durch besondere gesetzliche Bestimmungen
oder durch die Gewinnaussohüttungspolitik möglich ist. Es muß aber betont werden, daß zur
reinen Gewinnermittlung sowohl die Ungenauigkeit und Unsicherheit der Bewertung als auch
die Bildung von Reserven gehört, die zur Sicherung des Kapitaldienstes der Unternehmung
erforderlich sind. (Nur das Übermaß ist vom Übel.) Dieser Auffassung der Jahresbilanz als
einer Rentabilitätsrechnung entspricht auch die Trennung der Erträge in der neuen Regelung
der Gewinn- und Verlustrechnung: die Quellen, aus denen das Kapital seine Rentabilität her
leitet, sollen näher gekennzeichnet werden.
Im ganzen; die doppelte Buchhaltung und die Bilanz gehören als Kapital
rechnung zur Unternehmung und haben hier in erster Linie die Aufgabe, die
Rentabilität zu ermitteln, also der Wirtschaftlichkeit der Unternehmung zu
dienen.
Die Frage ist, ob und in welcher Weise die doppelte Buchhaltung auch für die
Erfassung der Betriebs-Wirtschaftlichkeit dienstbar gemacht wird oder werden
kann. Die doppelte Buchhaltung löst ihre Aufgabe als Kapitalrechnung dadurch,
daß sie alle Veränderungen des Kapitals auf besonderen, zu diesem Zwecke ein
gerichteten Konten in (Geld-) Ziffern festhält, in der Buohhaltungssprache aus
gedrückt: alle Geschäftsvorfälle auf Konten bucht. Das gilt sowohl für die Ge
schäftsvorfälle, die die jeweilige Höhe des Kapitals nicht berühren, als auch für
solche Geschäftsvorfälle, die eine Mehrung oder Minderung des Kapitals mit sich
bringen, also für die Gewinn- und Verlustrechnung. Durch eine entsprechende
Einrichtung von Konten für die einzelnen Gesohäftsvorfälle wird ein mehr oder
weniger genauer Nachweis über die durch den Betrieb hervorgerufenen Verände
rungen des Kapitals (oder des Vermögens in Geld gesehen) geführt. Insbesondere
kann sich dieser Nachweis auf den zweiten Teil der doppelten Buchhaltung, auf
das, was mit dem Gelde geschieht, ausgedehnt werden. Das ist der Fall, wenn für
die Gewinn- und Verlustrechnung die Aufwendungen im einzelnen (Material,
Löhne, sonstige Aufwendungen, Zinsen, Erträge) auf besonderen Konten fest
gehalten (verbucht) werden.
Durch die Aufgliederung der betrieblichen Vorgänge und die Einrichtung
eines bestimmten Kontensystems (wofür man neuerdings auch Kontenplan sagt)
wird die doppelte Buchhaltung zu einem wichtigen Hilfsmittel der Wirtschaftlich
keitsrechnung (obwohl sie als Rentabilitätsrechnung der Unternehmung ent
standen ist).
Näheres über die Kontierung, ihre Aufgaben und Möglichkeiten findet sich bei Schär-
Prion: Buchhaltung und Bilanz (Berlin: Julius Springer 1932). Wenn die Kontierung ihr
Ziel, einen möglichst vollkommenen Aufschluß über alle betrieblichen Einzelheiten zu geben,
erreichen will, dann muß sie sich der Eigenart des jeweils vorliegenden Betriebes anpassen.
Die Kunst des Betriebsleiters besteht geradezu darin, das beste für seinen Betrieb geeignete
Kontenbild zu finden. Auf diese Weise entstehen für die einzelnen Arten von Betrieben
typische Kontenbilder und besonders in die Augen springende Konten. So steht z. B. im Mittel
punkt der Buchhaltung eines Handelsbetriebes das Warenkonto, gegebenenfalls aufgegliedert
nach Warenarten und in Verbindung mit Warenskontren, daneben das ünkostenkonto
(ünkostenbuch), das die Unkosten aufzeiohnet und aufgliedert. Im Bankbetrieb erheischt
Prion, Die Lehre vom Wirtschaftsbetrieb. III. 14