Die Fortschritte der Binnenschiffahrtsstraßen.
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Und noch ein Trittes kommt hinzn. Um die Wassermassen des Gebietes zu sammeln!
und für den Kanal nntzbriitgend zu verwerten, haben die Amerikaner den riesigen Stausee
von Gatun mit Hilfe eines großen Dammes geschaffen. Nun aber ist inan nicht nur in
schwerer Sorge, wo man die nötigen Wassermassen hernehmen soll, um den See nur erst
einmalig zu füllen, sondern es ergibt sich, wenn dies gelingen sollte, wieder eine neue Ge
fahr: es steht nämlich nicht mit absoluter Sicherheit fest, daß die Unterlage, ans der der
Tamm sich erhebt, vollkominen wasserdicht ist. Die bauleitenden Ingenieure behaupten
zwar die unbedingte Zuverlässigkeit ihres Bauwerkes; andere sehr urteilsfähige Fachleute
bezweifeln sie jedoch und scheinen um so mehr dazu berechtigt zu sein, als der Gatundamm
an zwei Stellen über alte Flußbetten geführt worden ist, die bis in sehr große Tiefen hinein
mit Geröll, Schlamm und andern Flußablagernngen angefüllt sind. Es ist ja möglich, daß
dennoch die Zuversicht der leitenden Ingenieure begründet ist. Wie aber, wenn die Zweifler
recht behalten? Wenn auch nur an einer einzigen Stelle die Unterlage des Dammes
Wasser durchsickern läßt? Gewißheit hierüber wird man leider erst erlangen können, wenn
der Stausee gefüllt, die Berichtigung eines Irrtums also nicht mehr möglich ist. Liegt
aber ein solcher, wenn auch noch so kleiner Irrtum vor, so wäre ein Dammbruch unver
meidlich, der mit einer völligen Zerstörung des Kanals fast identisch wäre.
Dazu kommen noch die Gefahren, die dem Kanal von Erdbeben drohen. Zwar wird
glücklicherweise gerade der Isthmus von Panama von ihnen verhältnismäßig seltener als
die meisten andern Teile des bebenreichen Mittelamerika betroffen, und das letzte schwere
zerstörende Panamabeben, das im Jahre 1621 stattfand und die Stadt Panama in Trümmer
legte, liegt schon fast 300 Jahre zurück. Aber bei dem bedenklichen labilen Zustande der
Böschungen im Culebradurchschnitt und des Gatundammes genügt schon ein leichtes Beben,
wie es hier und da auch in Panama vorkommt und u. a. noch während des Lessepsschen
Kanalbaues im Jahre 1882 stattfand, um unberechenbare, fürchterliche Wirkungen hervorzu
rufen, vielleicht gar in wenigen Sekunden das stolze Kulturwunder zu vernichten. — Mitte
März 1912 wurde ja gar gemeldet, es hätten sich im Culebraeinschnitt Spuren beginnender
vulkanischer Tätigkeit gezeigt. Diese Sensationsnachricht hat sich glücklicherweise nicht be
stätigt oder doch eine sehr harmlose Aufklärung gefunden; aber der Ausbruch des für
erloschen gehaltenen Vulkans Chirlqui aiu 5. April 1912, der nur etwa 200 km vom
Kanal entfernt ist, war dennoch eine Tatsache, die zu kaum minder großen Befürchtungen
Anlaß geben mußte.
Aus dem Gesagten geht jedenfalls hervor, daß das stolze Kulturwerk, das sich seiner
wenigstens Provisorischen Vollendung mit Riesenschritten nähert, noch von zahlreichen und
großen Gefahren umlauert ist, und niemand vermag zu sagen, ob die Zukunft des Kanals
tatsächlich dem hoffnungsvollen Bilde entsprechen wird, das man sich beim Gedanken an den
werdenden Panamakanal so leicht auszumalen geneigt ist!
Von sonstigen großen Seekanälen sei nur in aller Kürze auf die an der nordameri
kanischen Ostküste geplanten Neubauten hingewiesen. Der alte, 1824—1829 gebaute
Kanal zwischen der Delaware- und der Chesapeakebai, der mit seiner geringen
Tiefe von 3 m und 19,8m Breite neuzeitlichen Anforderungen nicht mehr entsprach, soll
mit einer Tiefe von 10,6 m und einer Breite von 45 m neu geschaffen werden. Außerdem
soll die Halbinsel Cape Cod durchstochen werden; die 105 lern lange Halbinsel stellt
für die Schiffahrt ein bedeutendes Hindernis und, wegen der häufigen, schweren Nebel an
der Nordspitze, eine große Gefahr dar, der nun mit der Schaffung eines 13 km langen,
75—90 m breiten und 7,6 m tiefen Kanals begegnet werden soll.
Die Fortschritte der Binnenschiffahrtsstratzen.
Die seit 1900 ausgeführten Anlagen zum Ausbau der Binnenschiffahrtsnetze sind in
allen Ländern verhältnismäßig recht unbedeutend gewesen, obwohl viel von allerhand Be
strebungen zur Verbesserung der vorhandenen Flußwege und Kanäle die Rede war.