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210 VIH. Socialistische Zukunftsbilder.
„es ist das ein weiterer Trumpf, den man gegen uns aus»
„spielt — wir wollten die Familie vernichten, die
„Weibergemeinschaft, die „freie Liebe" einführen! Nun —
„die freie Liebe, ja wir wollen sie; wir wollen die Liebe
„befreien von den Festeln. welche die heutige Gesellschaft ihr
„angelegt hat." Zwei Seilen später (31) gibt Liebknecht
sodann eine Definition der auf die „freie Liebe" sich grün
denden Ehe. Dort heißt es: „jede Vereinigung von Mann
„und Weib, die Liebe geschlossen hat, auch wenn vom Priester
„nicht gesegnet, ist eine wahrhafte Ehe." Offenbar gibt
diese Definition dem Ehebegriff sehr weite Grenzen. Der
Unterschied zwischen legitimer und illegitimer Ehe wird voll
ständig verwischt. Wir wollen jedoch, ehe wir unser Urtheil
zusammenfaffen, noch weitere Auslastungen in der socialistischen
Preste hinzunehmen. Der „N. Soc.-Demokrat" schreibt
(1874, 38) in seinem Leitartikel über „die Civilehe im
deutschen Reichstage" :
„Wir Socialisten wollen nun aber einen neuen sitt-
„lichen Zustand an Stelle dieses einen Handel mit
„Mensch enfle isch darstellenden Treibens schaffen; wir
„wollen, daß die gegenseitige Zuneigung und sitt-
„liche Achtung der Menschen allein ihre Bereinigung
„veranlassen, und daß allen Kindern, nicht blos wie heute,
„nur den ehelichen aus begüterten Familien das natür-
„liche Recht auf gute Erziehung zu Theil werde."
Das sittliche Pathos dieser Erklärung kann leicht etwas
bestechen, denn sie tritt für eine Forderung ein, die nicht erst,
uni in ihrer Berechtigung anerkannt zu werden, auf den
socialistischen Zulunftsftaat zu warten braucht, eine Forderung,
die unserer modernen Ehe nicht fremd ist, wenngleich sie nicht
bei jedem Eheschluß erfüllt wird. Daher ist es auch eine
reine Täuschung, wenn die Social-Demokratie „die gegenseitige