Full text: Ueber die Möglichkeit einer volkswirthschaftlichen Harmonie

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Das Gleiche geschieht im zweiten Falle dadurch, dass zu 
gleich mit der Cultur die Ansprüche der Menschen an das 
Lehen stets sich vermehren: Genüsse gestalten sich zu wirk 
lichen Bedürfnissen; neue Genüsse kommen auf, welche zuerst nur 
die Reichen sich gestatten können, aber allmählig mit dem 
Fortschreiten der Cultur sich Bahn brechen, bis sie schliesslich 
auch zu allgemeinen Bedürfnissen werden. Die höchsten Classen 
der früheren Gesellschaft mussten sich Genüsse versagen, 
welche unserer heutigen Arbeiterclasse geradezu unentbehrlich 
zu sein scheinen. Diese Vermehrung der Bedürfnisse bringt 
natürlich mit sich eine grössere Nachfrage nach wirthschaft- 
lichen Gütern, und um diese zu befriedigen, muss auch in 
diesem Falle der Grund und Boden zu grösserer Production 
angehalten werden. 
Die Fortschritte in der Cultur des Bodens wirken dem 
Wachsen der Grundrente soweit entgegen, als sie bei sich 
gleich bleibender Arbeit einen höheren, bei sich vermindernder 
Arbeit einen gleichen Ertrag aus einer gegebenen Fläche Landes 
erzielen. Allein, das fortwährende Wachsen der Grundrente 
wird practisch nicht verhindert; die Nachträge nach Boden- 
producten wächst in einem zu grossen Massstabe, und die 
arbeitsparenden technischen Fortschritte vermögen nicht mit 
ihr gleichen Schritt zu halten. 
Bei abnehmender Cultur ebensowohl wie hei sich vermins 
dernder Bevölkerung pflegt auch die Grundrente, den vorher 
gehenden Gesetzen gehorchend, regelmässig zu fallen. 
Einen bedeutenden Einfluss übt auf die Grundrente aus 
die Einfuhr und Ausfuhr von Rohproducten, indem jene sie 
zurückhält, diese sie fördert. Wenn England nicht die bedeu 
tende Einfuhr von Lebensmitteln aus America, Australien etc.^ 
hätte, so würde ihre Grundrente heute eine unverhältnissmässig 
grosse Quote des Volkseinkommens verschlingen. Wenn die 
Vereinigten Staaten keinen auswärtigen Markt für ihre Roh-
	        
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