Full text: Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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den Geschäftsinhaber nur darum, einen gewissen Gesamtgewinn zu er 
zielen; in welchem Verhältnis aber die verschiedenen Waren dazu bei 
tragen können, bestimmt sich für ihn aus besonderen Zweckmüßigkeits- 
rücksichten und Erfahrungen."^) Solange die Konsumgenossenschafts 
bewegung nicht so stark geworden ist, daß sie vollständig unabhängig, 
dasteht, ist auch nicht daran zu denken, daß sie mit diesem System 
aufräumen kann. Würde heute eine Konsumgenossenschaft die Ver 
teilungsgüter zu einem durch genaue Kalkulation gewonnenen Preise, 
abgeben, so würde sie damit sehr schlecht fahren. Da die Preise auf 
Grund der Kalkulation das eine Mal niedriger wären als im Erwerbs 
geschäft, das andere Mal aber höher, so würden die Konsumenten 
selbstverständlich nur diejenigen Güter im Konsumverein entnehmen, 
deren Preise niedriger wären, die anderen würden sie in Erwerbsge 
schäften holen. 
Bis heute konnte man nur das Augenmerk auf die A u s w ü ch s e 
der kleinhändlerischen Preispolitik richten. Die Konsumvereine machen 
die verschiedenen Konkurrenzmannöver in bezug auf Preise, wie 
Schleuderpreise^) usw. nicht mit. Auch eine unbegründete Hochhal 
tung der Preise, nachdem der Hausse wieder eine Baisse gefolgt ist, ist 
in den Konsumvereinen nicht üblich. In dieser Beziehung wirkt die 
Konsumgenossenschaft sehr oft als Preisregulator und wirkt damit 
gleichzeitig hindernd auf die Schleuderpreise, da sich jetzt der Klein 
händler nicht mehr an anderen Artikeln „erholen" kann. Endlich, 
weichen die Konsumgenossenschaften auch dann von den ortsüblichen 
Tagespreisen ab, wenn ein wichtiges Konsumtionsmittel 
sehr stark im Preise steigt, sodaß es den Haushalt wesentlich be 
lastet. Wie sie in diesen Fällen den Nominallohn ihrer Angestellten 
und Arbeiter durch eine Teuerungszulage erhöhen, steigern sie den 
Reallohn ihrer Mitglieder, indem sie die eigentlich vorzunehmende 
Preiserhöhung unterlassen oder sie erst ganz allmählich vornehmen. 
In den Geschäftsberichten findet man sehr häufig die folgende oder 
eine ähnliche Bemerkung: „Obwohl der Brotpreis um mehrere Pfennig 
per Kilo gestiegen war, haben wir doch das Brot zum selben Preis 
abgegeben wie vorher." 
27 ) Schriften des Vereins für Sozialpolitik 37 190. 
2s) Paul G ö h r e berichtet allerdings vom Konsumverein Leipzig-Plagwitz,, 
daß er für seine „Warenhäuser" ebenfalls das Lockmittelsystem eingeführt hat. 
Es wird mir aber darüber mitgeteilt, daß man nur dann zu niedrigeren 
Preisen abgibt, wenn es sich um Lagerhüter handelt und bei „Saisonausver- 
käufen".
	        
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