Full text: Kameralwissenschaften und vergleichende Betriebswirtschaftslehre

Ziel schon überschritten wurde, wird gleich noch zu be- 
weisen sein. 
Eine besondere Beachtung verdient in diesem Zusam- 
menhang noch die Bezeichnung „Betriebswirtschaft“ bei 
Baumstarck. Als wir hier in Köln im Jahre 1919 nicht ohne 
Erfinderstolz der merkantilen Privatökonomie den Namen 
Betriebswirtschaftslehre gaben, war uns die Vorwegnahme 
dieser Bezeichnung durch Baumstarck 80 Jahre vorher nicht 
bekannt. Es sieht wie ein Vorahnen kommender Dinge aus, 
daß Baumstarck den Namen Betriebswirtschaft in seinem 
System gerade dem Fragenkomplex beilegte, der notwen- 
digerweise in der kaufmännischen Betriebswirtschaftslehre 
im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen muß, dem Rech- 
nungswesen. 
Die Untersuchung der Entwicklung der betriebswirt- 
schaftlichen Systematik leitet hinüber zu der letzten und für 
das Schicksal des Kameralsystems besonders wesentlichen 
Entwicklungsfrage: dem Eindringen der Lehre von Adam 
Smith. Diese Lehre stellte die Kameralisten vor die beson- 
dere Frage, wie sie die Theorie des Volksvermögens, der 
Einkommensverteilung und der Preisbildung mit den Be- 
triebslehren der verschiedenen Privatökonomien in Verbin- 
dung bringen sollten. 
Mit dieser Frage haben außer dem schon erwähnten 
Schmalz besonders Friedrich Schulze und Karl Rau ge- 
rungen. Während eine Reihe von anderen Autoren den Zu- 
sammenhang dieser neuen Probleme mit dem Kameralsystem 
kurzweg ableugnete, sahen beide Gelehrte wesentliche Be- 
ziehungen, die sie in organische Verbindung bringen wollten. 
Schulze, dem eine hervorragende philosophische Bildung 
eigen war, glaubte die Frage der Trennung von Sein und 
Sollen sehr einfach lösen zu können. 
Für ihn war die Volkswirtschaftslehre eine rationale 
Grundwissenschaft, in der alle wirtschaftlichen Gesetzmäßig- 
keiten darzustellen seien, während die Privatökonomien ihm 
als rein pragmatische Disziplinen erschienen, die. nur die 
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