Full text: Kameralwissenschaften und vergleichende Betriebswirtschaftslehre

Spezialisierungsextrem verfallen sind, aus dem wir den Aus- 
weg suchen müssen, scheint mir ebenso feststehend zu sein. 
Es leuchtet ja ohne weiteres ein, daß ein Verständnis 
der Gesamtökonomie auf dem gegenwärtigen Wege nur 
schwer zu erlangen ist. Insbesondere ist das Verhältnis 
der einzelnen Gewerbezweige zueinander und zu der Ge- 
samtwirtschaft bei diesem Zustand nur schwer erkennbar. 
Daneben schadet der unverbundene Zustand aber auch 
— und das ist hier zunächst wichtiger — der Spezialfor- 
schung selbst. Wenn irgendwo, so gilt hier der Satz, daß 
im engeren Kreise sich auch der Sinn verengert. Je mehr 
man über die Zaunpfähle seines Bezirkes hinaussieht, desto 
mehr lernt man erst dessen Wesensart verstehen. 
Der gegenwärtige Erneuerer der landwirtschaftlichen 
Betriebslehre Aeroboe schreibt in der Vorrede seines Wer- 
kes, daß das, was er am wenigsten dafür gelesen habe, die 
engere Fachliteratur gewesen sei, daß er sich aber weit auf 
anderen Gebieten umgesehen habe, um einen neuen Stand- 
punkt zu gewinnen. 
Ich selbst habe die Wohltat der Ueberwindung der ein- 
seitigen Spezialisierung zweimal an mir erlebt; zunächst als 
ich nach engster Spezialisierung in Köln an der Universität 
Freiburg das Gesamtgebiet der kaufmännischen Betriebs- 
wirtschaftslehre zu bearbeiten hatte und dann, als ich dar- 
über hinaus meine Studien auf das kameralistische Rech- 
nungswesen ausdehnte. Daß ich das kaufmännische Rech- 
nungswesen in seinem tiefsten Wesenskerne erst begriff, 
nachdem ich das kameralistische bearbeitet hatte, ist eines 
meiner stärksten wissenschaftlichen Erlebnisse geworden. 
VII. 
Es erhebt sich nunmehr zum Schluß die präzise 
Frage, wie der Weg beschaffen sein soll, der uns aus der 
überspitzten Spezialisierung herauszuführen vermag. 
Bei der Skizzierung dieses Weges muß ich mich heute 
auf die Beziehungen der Betriebswirtschaftslehren unter- 
23
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.