Südamerikadienst schnellere Dampfer einstellen. Nach meinen
Erkundigungen bei den zuständigen Stellen beträgt z. B. die
Fahrtdauer der Dampfer des Norddeutschen Lloyd von Bahia bis
Bremen 21—24 Tage, die der Dampfer der Hamburg-Südameri
kanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft von Bahia bis Hamburg
nur 18—21 Tage. Es wird auf diese Zeitdifferenz mit zurück
zuführen sein, daß Hamburg im Verkehr mit jenen Gebieten
Bremen so kolossal überflügelt hat.
Afrika. Die Bearbeitung dieses Erdteils ist ziemlich schwierig
für Bremen, da es mit alter, starker hamburgischer und englischer
Konkurrenz zu rechnen hat, die an ihren Schiffahrtslinien nicht
zu verachtende Rückendeckungen haben. Dazu kommt in den
heißeren Gegenden die Eigenart des Faktoreihandels: es ist kein
ausgebildeter Handel in unserem Sinne, sondern er bewegt sich
wie in Urzeiten vorwiegend in der primären Form des Tausches.
Nur in den höher kultivierten Gebieten im Norden und Süden
des Erdteils und in vereinzelten Oasen an der Ost- und Westküste
tritt das Geld als vermittelnder Faktor zwischen Käufer und
Verkäufer.
In Nordafrika ist m. E. für Bremen nicht viel zu wollen, da
es dort aus geographischen Gründen der Konkurrenz Südeuropas
nicht gewachsen ist und außerdem mit der Abschließungspolitik
Frankreichs zu rechnen hat.
Im Süden liegen die Verhältnisse günstiger. Zu erstreben
ist eine Steigerung der Wolleinfuhr von dort. Auch die Ausfuhr
nach dort bedarf dringend der Hebung. Daß sie bis jetzt gleich
Null ist, sahen wir. Kraft seiner politischen Vorherrschaft besitzt
ja England auch wirtschaftlich eine gewisse Vorzugsstellung. Sein
großes Übergewicht im Ausfuhrhandel nach Südafrika beruht jedoch
z. T. mit darauf, daß man deutsche Waren als solche dort
kaum kennt. M. W. hat es bislang überhaupt an ernsthaften
Versuchen kapitalkräftiger Firmen, sie dort einzubürgern, gefehlt.
Und doch wären die aufblühenden, kaufkräftigen United States
of South Africa zweifellos ein guter Abnehmer für uns, so für
die Textil-, die Holzbearbeitungsindustrie usw.
Bezüglich der heißeren Gebiete Afrikas kommt eine Einfuhr von
Palmkernen und anderen tropisch-afrikanischen Landesprodukten
in Frage und eine Ausfuhr aller Sorten meist geringwertiger
Fabrikate. Wenn es gelingt, in Bremen einen gleichwertigen
Gegner der Woermann-Linie zu finden, dann, aber auch nur dann
wird man mit aller Bestimmtheit auf ausgezeichnete Erträge des