Object : Ernährungswirtschaftliche Gegenwartsprobleme in Österreich

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Wird  das  Papiergeld  ben  Bauern,  wenn  cs  en  masse  förmlich
in  ihn  hineingestopft  wird,  tatsächlich  bewegen,  nun  all'  sein  Getreide
abzuliefern,  oder  wird  cs  ihn  nicht  zur  Spekulation  veranlassen,  abzuwarten, ­
  bis  unsere  Krone  noch  mehr  sinkt,  er  also  dann  noch  mehr
Geld  bekommen  kann  —  oder  wird  er  es  nicht  schließlich  vorziehen,  auf
seiner  Ware  sitzen  zu  bleiben,  weil  er  überhaupt  kein  Papiergeld  mehr
nehmen  will,  von  dem  er  genug  hat,  gleich  dem  ukrainischen  Bauern,  der
oas  Papiergeld,  nicht  mehr  zählte,  sondern  wog,  und  als  ihm  unser
österreichisches  Militär  immer  höhere  Preise  bot,  Getreide  gegen  Geld
überhaupt  nicht  mehr  abgab.  *)
Der  Amerikaner,  der  seine»  Dollar  in  Kronen  umrechnet,  wird
unseren  Getreidcpreis  sicher  billig  finden,  aber  der  Österreicher  rechnet
doch  noch  zumindest  mit  einem  höheren  Bruchteil  des  Nominales,  als
dem  Züricher  Kurs  entspricht.  Tatsächlich  ist  ja  auch  der  Jnlandswert
der  Krone  höher,  ja  er  ist  sogar  in  verschiedenen  Gebieten  Österreichs
verschieden  hoch.  Die  Lohn-  und  Einkommenverhältnisse  der  Sticht-Produzenten
  können  ja  unmöglich  der  Entwertung  unseres  Geldes  im
AuSlaude  ganz  angepaßt  werde»,  und  da  eine  weitere  Einschränkung
der  elementaren  Lcbensmittelbcdürfnisse  nicht  möglich  ist  —  von
kulturellen  Bedürfnissen  gar  nicht  zu  reden  —  müßte  eine  sofortige
allgemeine  „Anpassung"  der  Preise  der  inländischen  Lebensnüttel  an  den
Tiefstand  unserer  Krone  im  Auslande  geradezu  revolutionierend  wirken.
Hiermit  hängt  das  Problem,  das  uns  die  Preise  der  ausländischen ­
  Lebensmittel  stellen,  innig  zusammen.  Seit  längerer  Zeit
leben  wir  fast  ausschließlich  von  ausländischen  Zufuhren.  Seit  Beginn
des  Jahres  bis  in  den  Sommer  hinein  wurden  die  Importe  größtenteils
gedeckt  aus  Grund  des  bekannten  Entcntekredites  von  48  Millionen  Dollars.
Die  kreditierten  Lebensmittel  wurden  zu  einem  Preise  abgegeben,  der
zu  einer  Zeit  wesentlich  höheren  Kursstandes  unserer  Krone  berechnet
worden  ist.  Selbst  bei  Anrechnung  des  wesentlich  günstigeren  Kursstandes ­
  zur  Zeit  der  Einfuhr  kamen  die  Preise  der  bezogenen  Lebensmittel ­
  noch  immer  höher  als  die  Preise  der  inländischen  Lebensmittel,
iveshalb  die  Regierung  einen  Teil  der  berechneten  Differenz  auf  den
Staatssäckel  übernommen  hat.  Da  die  Kreditbedingungen,  insbesondere
dw  Rnckzahlungsmodalitäten  uns  noch  nicht  bekanntgegeben  sind,  ist  es
unmöglich,  den  dem  Staate  ans  der  Abgabe  der  Lebensmittel  erwachsenen

*)  Siehe  meinen  Artikel  „Getreidepreise",  „Neue  freie  Presse"  vom
1.  November  191t).
            
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