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II. HAÜPTTEIL.
ist uns zum Teil entrissen. Durch diesen Verlust werden
wir noch mehr als bisher auf die Einfuhr von Lebensmitteln
aus dem Auslande angewiesen, ohne zu wissen, woher wir
die Gegenwerte für diese Einfuhr nehmen sollen.
Man könnte sich fragen, ob nicht die großen Verluste
an Menschen, die Deutschland im Kriege erlitten hat, diese
auf eine Uebervölkerung hinweisenden Faktoren aufheben.
Dies muß verneint werden. Zwar schätzt man die Verluste,
die Deutschland durch den Krieg und die Blockade — den
Geburtenrückgang eingerechnet — von 1914—1919 erlitten
hat, auf rund 5 Millionen. Aber es muß berücksichtigt
werden, daß erstens, wie anfangs ausgeführt, eine gewaltige
Zahl von Auslands-, Kolonial- und Grenzlandsdeutschen
in unser verkleinertes Vaterland hereinströmen, zweitens
die blutigen Verluste im Kriege gerade die produktiven
Arbeitsjahrgänge geschwächt haben, die mehr erarbeiteten,
als sie selbst verbrauchten, und drittens bei einer Berech
nung von 5 Millionen Menschen an Verlusten, der Ausfall
an Bevölkerungszuwachs als Verlust eingerechnet wird,
während wir ja nur feststellen wollen, daß eine Volkszahl,
wie sie Deutschland vor dem Kriege besaß, heute ihre Nah
rung in Deutschland bei unserem früheren wirtschaftlichen
Aufbau nicht mehr finden kann. Sicherlich ist ein gewisser
Ausgleich in unserer heutigen schweren Lage durch eine
Herabsetzung der allgemeinen Lebenshaltung in unserem
Volke zu erreichen. Aber weder können wir wünschen, daß
unser soziales Existenzminimum, das unserem hohen Kultur
stand angepaßt ist, sich allzu sehr senkt, noch wird eine
solche Senkung uns vor einer Auswanderung behüten.
Denn wenn in den Ländern um uns her mit der gleichen
MengeArbeit ein höheres Existenzminimum erreicht werden
kann als bei uns, so werden die Tüchtigen und Unter
nehmungslustigen nach dort abströmen, sobald das Ausland
die Schranken, die es großenteils heute einer deutschen
Einwanderung entgegengesetzt hat, weggeräumt haben wird,
und außerdem kann uns eine tiefere Lebenshaltung noch
nicht die nötigen Rohstoffe für unseren Lebensunterhalt
schaffen. Nur dann könnte sie für uns fruchtbar werden,