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1. Nach der Seite der Erzeugung.
Die starke Einschränkung des Verbrauches der Zivilbevölkerung
und insbesondere der zuckerverarbeitenden Industrie ließ cs erwünscht
erscheinen, alle irgendwie verfügbaren Bestände der menschlichen Er
nährung zuzuführen. Auf Grund der Verordnung über Kriegs
maßnahmen zur Sicherung der Volksernährung vom 22. Mai 1916
nahm der Präsident des Kriegsernährungsamtcs die im Besitz der
Bezugsvereinigung Deutscher Landwirte befindlichen Rohzucker
mengen für die Verarbeitung auf Verbrauchszucker in Anspruch.
Auf Grund der gleichen Verordnung ermächtigte der Präsident des
Kriegsernährungsamtes die Bundesregierungen, diejenigen Mengen
für die Zwecke der häuslichen Obstverwertung in Anspruch zu
nehmen, die bereits bei den Landes-, Provinzial- oder Kreisfutter
mittelstellen lagen. Da die Verarbeitung von Rohzucker-Nacherzeug-
nissen auf Verbrauchszucker durch die Bekanntmachung vom
8. Februar 1915 verboten war, so wurde, um die Verarbeitung der
beschlagnahmten Rohzucker-Nacherzeugnisse auf Verbrauchszucker zu
ermöglichen, durch Bekanntmachung vom 25. Juli 1916 die Be
kanntmachung vom 8. Februar 1915 dahin abgeändert, daß der
Reichskanzler Ausnahmen vom Verbote der Verarbeitung von
Nacherzeugnissen auf Verbrauchszucker zulassen konnte.
Es war die starke Zuckerknappheit des Sommers 1916, die bei
dem Mangel an anderen Lebensmitteln, insbesondere an Fetten,
besonders fühlbar würd-', die dazu drängte, die Erzeugung des Jahres
1916/17 so weit wie möglich fürdiemenschliche Ernährung
sicherzustellen. Die Erhöhung der Rübenpreise hatte zwar
den Erfolg gehabt, daß die im Vorjahre um 32 v. H. zurück
gegangene Anbaufläche wieder um 10 v. H. gestiegen war. Jedoch
wurde die durch die Vermehrung der Anbaufläche an und für sich zu
erwartende Mehrerzeugung des Betriebsjahres 1916/17 durch den
infolge des Mangels an geschulten Arbeitskräften, Gespannen und
stickstoffhaltigem Dünger hervorgerufenen Minderertrag ziemlich aus
geglichen. Während am 1. September 1915 noch Bestände von
5 300 000 dz in das neue Betriebsjahr übernommen wurden, standen
am 1. September 1916 nennenswerte Bestände nicht mehr zur Ver
fügung; die am 1. September 1916 noch vorhandenen Bestände
waren eben hinreichend, um den Bedarf der Bevölkerung so lange
zu decken, bis Zucker neuer Ernte zur Verfügung stand. Insgesamt
dürfte die Rohzuckererzeugung des Betricbsjahres 1916/17 die Er
zeugung des Vorjahres mit rund 15 000 000 dz erreichen, vielleicht
sogar um ein Kleines überschreiten. Würden diese Mengen restlos