Object: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

vergangenen Jahr war er kurz entschlossen nach New 
York gefahren und hatte die Bankpräsidenten auf- 
gesucht, um irgend etwas für das Schatzamt Wichtiges 
zu erfahren oder — was noch häufiger vorkam — um sie 
für die laue Unterstützung des Schatzamts in diesen 
schweren Zeiten zu tadeln. Diesmal aber war es ein 
dringenderer Auftrag, denn als sich Curtis von Carlisle 
verabschiedete, sagte der letztere: „Ich kann Ihnen 
keine Instruktionen geben. Sie kennen die Lage. Tun 
Sie Ihr Bestes!” Da die Zeitungen nur wenig wußten, 
aber viel ahnten, zog Curtis, sobald er in New York 
den Zug verlassen hatte, einen ganzen Kometenschweif 
von Reportern hinter sich her. Er fühlte sich sichtlich 
erleichtert, als er in Belmonts Büro in Sicherheit vor 
ihnen war. 
Der Bankier zeigte ihm seine privaten Kabel- 
depeschen — Gutes enthielten sie nicht, wenigstens 
nichts, was bei der Haltung des Kongresses gut ge- 
nannt werden konnte. Man wünschte in Europa keine 
Verschreibungen auf „gesetzliche Zahlungsmittel”, 
auch keine auf Silber. Über eine unter allen Um- 
ständen in Cold einlösbare Verschreibung ließ sich 
nach Ansicht der europäischen Bankiers reden, aber 
davon wollte ja der Kongreß nichts wissen. Belmonts 
Gewährsmänner waren die Rothschilds, die Geld- und 
Kreditfürsten jenseits des Ozeans. Ohne ihre Hilfe 
konnte in dieser Richtung nichts unternommen werden. 
Belmont war jetzt noch pessimistischer als vor einigen 
Tagen, denn damals konnte er sich nur auf sein eigenes 
Urteil stützen, während er jetzt die Bestätigung des 
Ernstes der Lage in der Hand hielt. Er riet Curtis, am 
nächsten Tag Morgan aufzusuchen, was dieser auch 
versprach. 
Bis zu diesem Tage (dem 30. Januar) hatte Morgan 
nichts unternommen. In der Wall Street war seine 
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