128 Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel.
als der Mann der raschen That, die jetzt notwendig gewesen
wäre.
So ging die Initiative an die Fürsten über. Schon am
17. März 1488, einen Tag vor Albrechts Wahl, erklärten die
Kurfürsten zu Frankfurt: solange der Kirchenstreit noch währe,
würden sie neutral bleiben und die Sprengel des Reichs nach
der ordentlichen Gerichtsbarkeit der Bischöfe verwalten lassen
bis auf einen gemeinsamen Reichsschluß. Es war ein anfangs
kurz befristetes, später öfter erneuertes Provisorium, ein durch⸗
aus richtiger Schritt in der Emanzipation vom Papsttum, der
dadurch noch an Bedeutung gewann, daß er durchgesetzt ward
von zwei so bedeutenden Politikern, wie Johann von Lieser, dem
kurtrierschen Rat, und Gregor von Heimburg, dem fein—
empfindenden Humanisten und originellen Vorkämpfer deutscher
Freiheit, und daß mit ihm gegenüber etwa geplanten Gegen⸗
maßregeln des Papstes und des Baseler Konzils die Berufung
auf ein neues freies Concilium verbunden waͤrd.
Allein die energische nationale Stimmung bei den Fürsten,
die Absicht, in der Kirchenpolitik den großen Zwecken der
Gesamtnation zu dienen, verflog nur zu bald. Es zeigte sich,
daß die Fürsten weniger weit gehenden Einzelabmachungen zu—⸗
gänglich waren unter der Voraussetzung, daß ihre Territorial⸗
gewalt bei dieser Gelegenheit aus den schier unerschöpflichen
Mitteln der Kirche gestärkt ward. Zwar hielt man auf einem
Reichstage zu Mainz, am 26. März 1439, noch an den Baseler
Reformdekreten fest und eignete sich sechsundzwanzig derselben
durch das Instrumentum aceeptationis für das ganze Reich an;
aber bald darauf gelang es der päpstlichen Diplomatie, einige
Fürsten zur Kurie herüberzuziehen, zumal die fürstliche Politik
dem Mißtrauen der Reichsritter und Städte begegnet war; und
andere Fürsten stellten fich, aus Gegensatz zu dem Burgund
freundlichen Papst, auf die Seite des Baseler Konzils, so
namentlich der Kölner Kurfürst Dietrich von Mörs und Jakob
oon Sierk, der ränkevolle Kurfürst von Trier.
Schlimmer aber, als der Abfall einzelner Fürsten, war,
daß der neue König Friedrich III. sich entgegen dem Interesse