Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Städtisches Dasein nnd bürgerliche Gesellschaft. 219 
mäßig auf die vorhandene Grundfläche? und schwankte nicht 
die Zahl der Personen auch in den Familienhäusern um ein 
Beträchtliches nach Zeit und Ort?“ Man sieht, eine Ab⸗ 
schätzung der Bevölkerung mittelalterlicher Städte nach der 
Häuserzahl kann nur zu sehr unsichern Daten führen, ebenso 
eine Abschätzung nach irgend einer bevölkerungsstatistischen 
Ziffer, etwa der Geburtenziffer. Am sichersten scheint noch eine 
Durcharbeitung der Steuerlisten zu bleiben, wo diese erhalten 
sind; allein auch hier tritt wieder die heikle Frage auf, wieviel 
Seelen denn hinter jedem Steuerzettel gestanden haben. Geht 
man unter der durch alle diese und andre Schwierigkeiten auf⸗ 
erlegten Zurückhaltung an die Aufstellung von Bevölkerungs— 
ziffern, so wird man annehmen müssen, daß bei weitem die 
meisten deutschen Städte bis zum Ende des Mittelalters eine 
Einwohnerzahl von 5000 nicht erreicht haben; die kleinern 
fürstlichen Residenzen und die Mehrzahl der Reichsstädte hatten 
5000 10 000 Einwohner; nur wenige Städte hatten über 
10 000, ganz wenige über 20000 Einwohner. Eine 1449 vom 
NRürnberger Rat in Kriegszeiten angeordnete Volkszählung er— 
gab 25 982 Personen, von denen 20219 der Stadtbevölkerung 
angehörten, der Rest aus den in die Stadt geflohenen Bauern 
beftand; eine Straßburger Volkszählung (zwischen 1473 und 
1477) ergab 20722 und 5476 — 26198 Einwohner?. 
Zudem gelten alle diese Ziffern, wie erwähnt, nur für das 
spätere Mittelalter; aber wie stets in Zeiten rasch erfolgenden 
Aufblühens, blieb das Bevölkerungsverhältnis der einzelnen 
Städte zu einander keineswegs dasselbe. So wird noch im 
12. Jahrhundert Mainz, der Brennpunkt des oberrheinischen 
1 In Köln kamen 1752 je 6 Personen auf ein Haus und dem— 
entsprechend noch eine Person auf etwa 50 qm, im Jahre 1888 waren die 
entsprechenden Ziffern 14 Personen und etwa 27 qm. Köln und seine 
Bauten (1888) S. 164. 
e v. Inama⸗Sternegg, Deutsche Wirtschaftsgeschichte in den letzten 
Jahrhunderten des Mittelalters J (1899) 24 ff. H. Pirenne, Les dénom- 
hrements de la population d'ypres (Vierteljahrsschr. f. Sozial- u. Wirt— 
schaftsgesch. 1, 1 ff.)
	        
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