Dichtung.
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dicht damit etwa neben ein Denkmal der bildenden Kunst wie
Klingers Radierung „An die Schönheit“.
Und liegt nicht überhaupt ein Vergleich dieser idealistischen
Übergangslyrik mit der Entwicklung der Übergangsmalerei von
Feuerbach bis auf Klinger nahe? Noch auf dem Boden der
alten herkömmlichen Psychologie fußend, doch ihn gewaltig
ausweilend und in ständigen Zusätzen des Neuen zum Alten
früh zu idealischen Formen emporläuternd, stellt diese Poesie,
parallel der Übergangsmalerei, eine spezifisch deutsche Er—
scheinung des modernen europäischen Seelenlebens dar, die den
anderen Nationen in dieser Ausdehnung und Tiefe fehlt: wie
die Böcklin oder die Klinger so haben auch die Hart und die
Avenarius in England und Frankreich im ganzen aenommen
kaum ihresgleichen.
Inzwischen aber hatte sich auf deutschem Boden schon eine
Lyrik des reinen physiologischen Impressionismus entwickelt.
Sie war, wie nicht minder die entsprechende bildende Kunst,
anfangs vor allem auf das Stoffliche gerichtet, das ihr be⸗
sonders leicht lag: neben dem Armeleutebild und der Kohl—
kopflandschaft gedieh das soziale Gedicht, das die Not der unteren,
hbon der Dichtung noch nicht „konventionalisierten“ Stände
schilderte. Daneben standen schwache erste Versuche, auch
formell weiter zu gelangen: neben veränderter Stoffwahl leise,
oft recht ungelenke Andeutungen einer neuen Kunstform.
Bezeichnend für diesen Ubergangszustand ist vor allem die
Gedichtfammlung „Moderne Dichtercharaktere“, die 1884 aus
einem der Berliner Kreise junger Dichter hervorging. Hier
finden sich Gedichte, die, in der Form uralt, doch dem Stoffe
nach Neues bieten; dicht daneben steht formell und technisch
wirklich Neues und auch wieder inhaltlich Altes, das nur in
Außerlichkeiten, wie in der Weglassung des Reimes und im
Gebrauch des freien Rhythmus, Spuren der fortschreitenden
künstlerischen Bewegung zeigt. Als in sich fertigster und
vollendetster der Dichter, die sich in dieser Sammlung ein
Stelldichein gaben, erscheint wohl Arno Holz (geb. 1863).
Er ist hier freilich noch ziemlich auf alten Pfaden, doch