folge der gegenwärtigen Agrarkrise weite
Teile der Landwirtschaft nicht mehr in der
Lage sind, Käufe in dem früheren Umfange
zu tätigen. Er mißbilligt aber ausdrücklich
alle Übertreibungen, wie sie leider in den
jetzten Wochen und Monaten vorgekommen
sind, als da sind Boykott von Personen, die
Landmaschinen kaufen, von Personen, die
geschriebene und vollzogene Verträge ein-
gehalten haben u. a. m. Das sind Aus-
wüchse, die letzten Endes der Landwirt;
schaft schaden müssen. Ich bitte indes, zu
bedenken, daß gerade infolge der stark
dezentralistischen Organisation der Land-
wirtschaft die Lage der Führung außer;
ordentlich schwierig ist. Die Führung ist
sich, wie ich glaube, völlig klar darüber,
daß die landwirtschaftlichen Organisationen
augenblicklich vor dem Wendepunkt stehen:
sollen sie eine klassenkämpferische Gewerk-
schaft werden oder sollen sie das bleiben,
was sie bisher waren, eine freie berufs-
ständische Vertretung? Die Industrie sollte
Verständnis für diese augenblicklichen
Schwierigkeiten der Führung haben und ein-
sehen, daß in den landwirtschaftlichen
Organisationen nicht immer mit dem Nach:
druck, der von der Industrie gewünscht
wird, gegen die geschilderten Neigungen
entgegengearbeitet werden kann.
Ich darf dann nur noch einige Worte
zu den handelspolitischen Ausführungen des
Herrn Vorredners sagen. Zweifellos sind
es Übertreibungen, über die gar kein Wort
zu verlieren ist, wenn es in irgendeinem
Aufsatze oder Artikel heißt, daß die Ein-
[uhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse gänz-
lich verboten werden soll. (Herr Dr. Weber:
Das ist Beschluß des Landbundes!) — Nein,
da muß ich widersprechen, Herr Dr. Weber!
Das ist vielleicht eine Wahlparole, die
unter der Wahlpsychose entstanden ist
(Heiterkeit), aber ich muß bestreiten, daß
es sich um einen offiziellen Beschluß des
Landbundes handelt. Ich glaube, meine
Herren, eine Verständigung ließe sich sehr
viel leichter finden, wenn man sich auf den
Standpunkt stellte, der in einer Korrespon-
denz zwischen dem Reichslandbund und
dem Reichsverband der Deutschen Industrie
herausgearbeitet worden ist und den ich mit
Erlaubnis des Herrn Präsidenten vorlesen
darf. Es wird da gesagt:
„.. daß der Zollschutz die unersätzliche
Voraussetzung der Verbesserung der
Produktion ist. Ohne diesen Schutz wird
das gemeinsame Ziel der Hebung der
landwirtschaftlichen Produktion niemals
arreicht werden. Ist es aber unter den
von uns für notwendig gehaltenen Sicher:
ı1eitsmaßnahmen einmal erreicht, dann
wird auch die Frage des agrarischen
Zollschutzes allgemein an Bedeutung ver;
oren haben. Wir fordern keineswegs
»inen Schutzzoll, der jeden internationalen
Handelsverkehr tötet. Wohl aber sind
wir der Auffassung, daß in den Handels-
verträgen nicht unter das Maß herunter-
jegangen werden darf, welches zum
Schutze der heimischen Erzeugung gegen-
iber der des begünstigten Auslands er;
“orderlich ist. Wir glauben daher, daß
Jen berechtigten Belangen von Industrie
ınd Landwirtschaft wie der deutschen
Gesamtwirtschaft am besten gedient sein
würde, wenn entsprechend den vorge:
»rachten Vorschlägen des Reichsland-
aundes die Zollrüstung für die heimische
Landwirtschaft so hoch bemessen wird,
laß in den Handelsvertragsverhandlungen
zur Beseitigung der dem deutschen
Industriewarenexport entgegenstehenden
ausländischen Zollmauern ein Nachlaß
jewährt werden kann, ohne daß der hier-
lurch unbedingt notwendige ausgleichende
Schutz für die Agrarerzeugung gefährdet
wird.
Meine Herren, ich glaube, daß hier eine
Basis gegeben ist, auf der eine Verständi-
sung auf die Dauer möglich sein kann.
Und endlich noch ein Wort gegenüber
len etwas pessimistischen Schlußfolgerun-
jen des Herrn Dr. Weber! Ich glaube, man
wird doch zugeben müssen, daß die bis-
‚erige Zusammenarbeit von Industrie und
‚andwirtschaft zum mindesten den Vorteil
jebracht hat, daß derartige Meinungsver-
chiedenheiten, wie wir sie heute erörtern,
stzten Endes hinter verschlossenen Türen
usgefochten werden. (Sehr richtig!) Ich
ıöchte daran erinnern, daß vor einigen
ahren beim Abschluß des deutsch-spani-
chen Handelsvertrags öffentliche Fehden
‚wischen den beiden Berufsständen ent-
‚rannten, die wirklich für den mit dem
Jerzen beteiligten Zuschauer nicht gerade
‚rfreulich waren. Gottlob ist es geglückt,
»isher derartige Öffentliche Auseinander-
;etzungen in der Frage des deutsch-polni-
schen Handelsvertrags zu vermeiden; ich
jetrachte es als einen erheblichen Fort-
schritt, daß es geglückt ist, die Vorver-
aandlungen gemeinschaftlich zwischen den
beiden Berufsständen zu führen.
Auch ich stehe auf dem Standpunkt,
laß die Forderung, die der Herr Referent