fullscreen: Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

Professor Alfons Goldschmidt. 173 
nische Rasse die beste Rasse der Welt sei, daß dann die romanische meinet- 
wegen folge, die slavische Rasse, und die farbigen Rassen mißt man über- 
haupt nicht mehr, weil man sagt, das ist selbstverständliche Arbeits- 
kraft für uns. Ja, allerdings, in diesem Augenblick, da wechseln auch 
diese Begriffe, jedoch es wechseln nicht die Bestrebungen des Imperialismus. 
Aus einem offiziösen Munde ist kürzlich von England her erklärt worden, 
daß England ja an sich nichts gegen die chinesische Revolution hätte, denn 
sie bedeute für England eine Erweiterung seines Marktes. Wenn die Chinesen 
eine Revolution machten, so würden die Engländer nachher an 400 Millionen 
Menschen ihre Waren verkaufen. Was heißt das? Das heißt, daß wir auch 
auf die Anerkennung der Revolution durch den Imperialismus achten 
müssen. Auch diese Fälle gibts, und das bedeutet, daß die imperialistischen 
Regierungen und ihre kapitalistischen Mitunterdrücker die Revolution als 
Aktivum einstellen. So sagen beispielsweise die Exportfabrikanten der Ver- 
einigten Staaten, vielleicht identisch mit der demokratischen Partei: Wir 
haben nichts gegen eine gemäßigte Revolution in Mexiko, denn sie bessert die 
wirtschaftliche Lage der Arbeiterschaft, und das ist für uns dasselbe, als 
wenn wir eine neue Kolonie hätten, das ist eine Erweiterung unseres Marktes. 
So sehen Sie, wie vorsichtig, wie aufmerksam wir sein müssen und mit 
welch großer Klugheit, mit welchen Finessen wir vorgehen müssen, um all 
diese Zusammenhänge einer schon tausendjährigen immobilen und mobilen 
Tradition zu erkennen. Denn wenn wir imstande sind, diesen Apparat, seine 
seelischen Funktionen und seine motorisch-technischen Kräfte, zu durch- 
leuchten, so sind wir auch besser imstande, ihn zu bekämpfen. Aber das ist 
— das spreche ich nochmals und mit aller Begierde, daß es Wahrheit werden 
möge, vor dieser Versammlung aus — die Grundbedingung, daß wir uns 
nicht untereinander die Hälse abwürgen. Denn wenn wir, die wir die Frei- 
heit unserer Länder wollen und die Freiheit der Arbeitskraft und die Frei- 
heit der ganzen Welt, wenn wir wirklich Brüder miteinander sind, wenn wir 
keine Rassen kennen und unsere Klassengegensätze zurückstellen im einigen 
Kampf, wenn wir ein organisatorisches Ganzes werden, dann allerdings sind 
wir eine ungeheure Kraft. Was heute hier geschieht ist die Demonstration 
des schon existierenden modernen lokalen und universellen Freiheitskampfes 
gegen den Imperialismus. Was geschehen muß, ist die Kolonisierung, 
d. h. die Zusammenfassung, das Praktische, die Organisation. Wir 
müssen ‘unter uns auf diesem Wege einig sein, gerade, damit wir 
uns später, wenn wir frei sind, sagen können, was uns drückt — gegen- 
einander, wenn es sein muß —, wir müssen einig auf diesem Wege zu einem 
Weltbunde gegen den Imperialismus kommen. Deshalb müssen wir 
fordern: Durchleuchtung der Methoden des Imperialismus, seiner Ge- 
schichte, seiner Art, seines Denkens und seiner Waffen; Zusammenfassung 
aller dieser Kenntnisse zu einer Grundkenntnis, zu der Erhöhung des In-
	        
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