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ganzen Union i|t. Deutsche Zeitungen sind selbst im äußersten
Westen vorhanden, in Colorado und Dakota, wo die zu Yank
ton erscheinende „Dakota Freie Presse" die Interessen der ame
rikanischen Deutschen in würdigster Weise vertritt. Leider giebt
es noch einen, wenn auch täglich mehr zusammenschrumpfenden
Theil der deutsch-amerikanischen Presse, welcher den Verhältnissen
der alten Heimath wenig Verständniß entgegenbringt, indem er
dieselben von einem durchaus veralteten politischen Standpunkt
aus beurtheilt, welcher in Deutschland kaum noch ernst genom-
men wird. Der Grund davon ist hauptsächlich darin zu suchen,
daß eine große Zahl der in Rede stehenden Blätter von Män-
nern gegründet wurde, welche im Fahre 1848 dem Vaterlande,
in welchem sie vergeblich die Verwirklichung ihrer Ideale an-
strebten, grollend den Rücken kehrten und auch später von ihren
alten und bald veralteten Anschauungen sich nicht frei zu ma-
chen vermochten. Der andere, erfreulicher Weise sich stets ver-
größcrnde Theil der deutsch-amerikanischen Presse jedoch, zu
welchem namentlich die vortrefflich redigirte Chicagoer ..Reue
Freie Presse" gehört, erörtern die vaterländischen Angelegenhei-
len in einem so sachlichen, vorurtheilssreien Sinne, wie man
ihn selbst — um einen in Amerika üblichen Ausdruck zu ge-
brauchen — in „deutschländischen" Blättern nicht häusig an-
trifft, sie erkennen die Vortrefflichkeit der Leitung des Deutschen
Reiches und die unersetzlichen Vorzüge mancher Einrichtungen
derselben ganz rückhallslos an.
Das Vereinswesen ist in den Vereinigten Staaten im All-
gemeinen und besonders auch unter den Deutschen daselbst ein
büchst ausgebildetes. Deutsche Vereine sür Kunst und Wissen
schaft. Turnvereine. Gesangvereine, Vereine zur Pflege der Ge-
selligkcit blühen jenseits des Weltmeeres in Hülle und Fülle.