II. Der Markt von Lübeck
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Zwei Tatsachen ergeben sich ohne weiteres aus diesem Überblick. Einmal:
zur ein Teil der Gewerbe bietet auf dem Markte seine Waren aus, An der
Hand der Zusammenstellungen bei Wehrmann und Höhler ist es leicht, die
am Marktleben nicht unmittelbar Beteiligten auszuscheiden!!?), Außer den
an den Markt gebundenen Lebensmittelgewerben finden sich auf ihm vor
allem die Vertreter des Leder-, des Textil-, des Metallgewerbes, die Krämer
und Kleinhändler13), Sodann: auf dem Markte ist durchaus nicht immer die
Gesamtheit der Gewerbetreibenden einer bestimmten Gattung vertreten.
Man vergleiche etwa die 15 Schildmacher und Berufsverwandte mit den
Zahlen der an erster Stelle stehenden Gewerbe; wirkliche Verhältniszahlen
können das nicht sein. Dabei sitzen nicht nur Schildmacher, sondern auch
Rüstungsmacher, Harnischmacher, Sattler, Taschenmacher, ja selbst
Schildmaler in den Blocks XIX und XX; und die Zahl der Berufsverwandten
ist weit größer: galleatores (Helmschläger), spormakere, gladiatores, torifices
(Plattenschläger) begegnen seit 1294 als Eigner und Mieter von Häusern und
Buden neben den oben bereits erwähnten Vertretern des Rüstungsgewerbes
in der heutigen Schmiedestraße, hinter St. Petri und an der Ecke zur Holsten-
straße; außerdem in 5 nebeneinanderliegenden Buden, Sandstraße 2—12
(a. Nr. 1006—1010). Als im Jahre 1356 dies bis dahin mit dem Eckgrund-
stück Kohlmarkt 2 (a. Nr. 270) einem Eigentümer gehörende Grundstück
verkauft ward, traten 4 torifices (Plattenschläger), 1 sellator (Sattler) und
| cipeator (Schildmacher) als Käufer der nebeneinanderliegenden Buden
auf. Offenbar hatten dieselben Handwerker diese Buden längst vorher zur
Miete in Nutzung: die Blocks XIX und XX fanden also durch diese Reihe
von 6 Buden ihre unmittelbare Verlängerung in die Sandstraße hinein. Also
ganz unabhängig von irgendwelchem „Marktzwang‘ hatten sich hier die-
selben Gewerbetreibenden, die in den Marktblocks XIX und XX begegnen,
zum Verkauf ihrer Waren in unmittelbarer Nachbarschaft zusammen-
gefunden!!*); eine weit größere Zahl ist aber in der Gegend Schmiedestraße—
Holstenstraße nachweisbar, wo es allerdings unklar bleibt, was Wohn-, was
Werk- und was Verkaufsstätte ist!®).
Waren die Waffenhandwerker und Schmiede offenbar niemals alle auf
dem Markte vertreten, sondern nur einzelne von ihnen, während die Mehr-
zahl Werk- und Verkaufsstätte vereinigten, so möchte man bei den Krämern
zu einem etwas anderen Schlusse kommen. Daß auch sie um 1300 längst nicht
alle auf dem Markte tätig sind, geht aus der im Verhältnis zu Schustern und
Fleischern doch geringen Zahl der auf dem Markt vertretenen Krämer hervor.
Dabei geht ein Teil der Krämerbuden an andere Gewerbetreibende ver-
loren. Schon um 1290 sitzen in den Eckbuden des Blocks I je 1 Löffel-
macher (lepelsnidere) und 1 Riemenschneider; um die Mitte des Jahr-
hunderts sitzt hier kein Krämer mehr, sondern 1 Schachtschneider, 2 Drechs-
ler und 2 Eisenhändler; der Name Schüsselbuden beginnt hier zunächst die