Full text: Use and occupancy insurance

Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 6083 
Ultramontan-Feudalen mit dem Grafen Chambord; ja die 
Nationalversammlung setzte einen Neunerausschuß ein mit dem 
förmlichen Auftrage, die Thronbesteigung des „legitimen“ 
Königs, Heinrichs V., vorzubereiten. Und schon zeigte sich, 
welche Wirkungen nach außen der eingeleitete Umschwung haben 
würde. Während man von einem deutschen Kriege nur in ge⸗ 
dämpftem Tone sprach — noch hielt eine starke Erinnerung 
an 1870/71, die année terrible, vor —, wurde um so lauter 
von den katholischen Zielen des kommenden Regimes ge— 
sprochen: und da galt es denn vor allem einen ebenso „heiligen 
als echt französischen“ Krieg gegen den Räuber Roms, gegen 
Italien. 
Es war eine Konstellation, deren Ausnutzung im deutschen 
Interesse Bismarck schon länger vorbereitet hatte. Italien hatte 
1870 mit Frankreich gegen den Norddeutschen Bund und die 
süddeutschen Staaten zu Kriege ziehen wollen. Es hatte darauf 
den deutschen Siegen den Abzug der französischen Truppen aus 
Rom verdankt und Rom selbst eingenommen. Es war eine 
Errungenschaft, die das berühmte Wort Italia farà da se in 
merkwurdigem Lichte erscheinen ließ, die aber, bei der nationalen 
Eifersucht der europäischen Völker in der zweiten Hälfte des 
19. Jahrhunderts, nicht geeignet schien, das Verhältnis der 
italienifchen Nation, etwa aus Motiven der Dankbarkeit, zur 
deutschen zu verbessern. Entschieden zusammengeführt wurden 
die beiden Nationen dagegen durch den gemeinsamen Gegensatz 
gegen Rom und gegen den Klerxikalismus. Und so fand denn der 
Prinz Friedrich Karl, der Sieger von Metz, als er im Februar 
1872 in Rom war, dort eine begeisterte Aufnahme. Wie aber 
mußten diese beiderseitigen Sympathien erst wachsen, als die 
Ziele der französischen Klerikalen heller ins Licht zu treten be— 
gannen. 
Als im Spätfrühling 1878 das italienische Kronprinzen⸗ 
paar, der spätere König Humbert und seine Gemahlin Margherita, 
eine Enkelin des Königs Johann von Sachsen, in Berlin er⸗ 
schien, feierte die Stadt ihre Anwesenheit mit einer Herzlichkeit, 
die den Franzosen zu denken geben mußte. Und eben in den 
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