Erster Abschnitt.
men versteckten Inhalt entdeckt. Sie hat niemals auch nur die
Frage gestellt, warum dieser Inhalt jene Form annimmt, warum
sich also die Arbeit im Wert und das Maß der Arbeit durch ihre
Zeitdauer in der Wertgröße des Arbeitsprodukts darstellt?:? For-
aeit oder Gleichheit voraussetzt, also ihre Reduktion auf abstrakt mensch-
liche Arbeit, Ricardo zum Beispiel erklärt sich einverstanden mit Destuti
de Tracy, wenn dieser sagt: „Da es gewiß ist, daß unsere natürlichen und
sittlichen Fähigkeiten allein unser ursprünglicher Reichtum sind, so ist die
Anwendung dieser Fähigkeiten, Arbeit irgendeiner Art, unser ursprünglicher
Schatz, und durch diese Anwendung werden alle die Dinge geschaffen, die wir
Reichtum nennen. ... Außerdem ist es sicher, daß alle diese Dinge nur die
Arbeit repräsentieren, die sie geschaffen hat, und wenn sie einen Wert oder
wenn sie auch zwei verschiedene Werte haben, so können sie diese Werte nur
von dem der Arbeit herleiten, von der sie herrühren.“ (Destutt de Tracy:
„Elements d’ideologie. 4&me et 5&me partie. Paris 1826“, pP. 35, 36, zitiert
bei Ricardo: „The Prineiples of Political Economy, 3rd. ed. London 1821“.
p. 334.) [Vgl. David Ricardo: „Grundgesetze der Volkswirtschaft und Besteue-
tung“, aus dem Englischen übersetzt von Dr. Ed. Baumstark. 2. Auflage.
Leipzig 1577, S. 253.] Wir deuten nur an, daß Ricardo dem Destutl
seinen. eigenen tieferen Sinn unterschiebt. Destutt sagt in der Tat zwar
einerseits, daß alle Dinge, die den Reichtum bilden, „die Arbeit repräsen-
tieren, die sie geschaffen hat“, aber anderseits, daß sie ihre „zwei verschiede-
nen Werte“ (Gebrauchswert und Tauschwert) vom „Wert der Arbeit“ er-
halten. Er fällt damit in die Flachheit der Vulgärökonomie, die den Werl
einer Ware (hier der Arbeit) voraussetzt, um dadurch hinterher den Wert
der andern Waren zu bestimmen. Ricardo liest ihn so, daß sowohl im
Gebrauchswert als Tauschwert sich Arbeit (nicht Wert der Arbeit) darstellt.
Er selbst aber scheidet so wenig den zwieschlächtigen Charakter der Arbeit,
die doppelt dargestellt ist, daß er in dem ganzen Kapitel: „Wert und Reich-
um, ihre unterscheidenden Eigentümlichkeiten“ sich mühselig mit den Platt-
heiten eines J. B. Say herumschlagen muß. Am Ende ist er daher auch
ganz erstaunt, daß Destutt zwar mit ihm selbst über Arbeit als Wertquelle
and dennoch anderseits mit Say über (den Wertbegriff übereinstimme.
#2 Es ist einer der Grundmängel der klassischen politischen Oekonomie,
daß es ihr nie gelang, aus der Analyse der Ware und spezieller des Waren-
wertes die Form des Wertes, die ihn eben zum Tauschwert macht, heraus-
zufinden. Gerade in ihren besten Repräsentanten, wie A. Smith und Ricardo,
behandelt sie die Wertform als etwas ganz Gleichgültiges oder der Natur
der Ware selbst Aeußerliches. Der Grund ist nicht allein, daß die Analyse
der Wertgröße ihre Aufmerksamkeit ganz absorbiert. Er liegt tiefer, Die
Wertform des Arbeitsprodukts ist die abstrakteste, aber auch allgemeinste
Form der bürgerlichen Produktionsweise, die hierdurch als eine besondere
Art gesellschaftlicher Produktion und damit zugleich historisch charakteri-
siert wird. Versieht man sie daher für die ewige Naturform gesellschaft-
licher Produktion, so übersieht man notwendig auch das Spezifische der
Wertform, also der Warenform, weiter entwickelt der Geldform, Kapital-
form usw. Man findet daher bei Oekonomen, welche über das Maß der
Wertgröße durch Arbeitszeit durchaus übereinstimmen, die kunterbuntesten
ınd widersprechendsten Vorstellungen von Geld, das heißt der fertigen Gestalt
des allgemeinen Aequivalents. Dies tritt schlagend hervor zum Beispiel bei der
Behandlung des Bankwesens, wo mit den gemeinplätzlichen Definitionen des
Geldes nicht mehr ausgereicht wird. Im Gegensatz entsprang daher eiß