Object: Sittlichkeit in Ziffern?

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Dritter Teil. 
Schwangere die Frucht infolge von Notzucht empfangen hat, 
wenn eine kranke oder sieche Nachkommenschaft zu erwarten 
steht, oder wenn die wirtschaftliche Aufziehung des Kindes 
der Mutter, den Eltern oder den sonst zum Unterhalt gesetzlich 
Verpflichteten unmöglich ist. Zweifellos sind diese Vorschläge 
aus sittlichen und sozialen Gründen erwägungswert?i4, In 
Frankreich und Belgien wurde das Recht auf künstliche Ent- 
ledigung der Leibesfrucht für die vom Feinde Kriegs- 
geschwängerten gesetzlich festgelegt?14a, Juristische Schulen be- 
trachten auch die Entführung als eine Art Notzucht oder doch 
als eine zu dieser verleitenden, und auch bei formaler Willigkeit 
des Mädchens doch dessen klares Bewußtsein ausschließende 
Handlung. Daher die Sonderstellung der Söduction selbst im 
Code Napoleon. Dieser war bekanntlich der Nachforschung 
nach der Vaterschaft gegnerisch gesinnt, weil er die Vaterschaft 
mehr „moralisch‘“ als physisch fassen wollte. Es war völlig im 
Geiste dieses Code gesprochen, wenn Emile de Girardin die 
recherche de la paternite mit folgenden negativen Argumenten 
zu charakterisieren versuchte: „Le droit de recherche de la 
paternite, qu'il soit exerc6 par la möre exclusivement ou ‚par 
la möre et les enfants inclusivement, est un droit dont l’exercice 
n’aboutit et ne saurait aboutir jamais qu'au scandale et qu'au 
doute. Il est aussi destructeur du prestige de l’autorit& pater- 
nelle qu'incompatible avec la r6alit6 de la piete filiale. La pater- 
nite qui est imposee n’est plus la paternite, et le fils qui s’adresse 
aux tribunaux pour reclamer d’eux un pere vise sa fortune 
et non sa tendresse?15,‘““ Und doch gestattete der in sexuellen 
Fragen so skeptische Code Napol6on von seinem Verbot der 
Nechforschung nach der Vaterschaft eine Ausnahme, nämlich 
214 Staatsanwalt W ulffen, Das Weib als Sexualverbrecherin, _ zitiert 
bei Dührssen, S, 89. 
214a Vgl, p. 81 unseres Buches. 
215 Emile de Girardin, La libert6 dans le mariage par l’6galite des 
enfants devant la möre, Paris 1854, Librairie Nouvelle, p. 61.
	        
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