Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Der Interventionismus an den Universitäten 
liehe Resultat der historischen Entwicklung präsentiert, ist 
gewiß solide genug aufgebaut, um den wirklich demokratisch 
und fortschrittlich gesinnten Elementen der französischen Intelli 
genz ein Leitstern zu sein, dessen Licht nicht leicht zu ver 
dunkeln ist. Sein robuster Realismus und Determinismus wird 
bei allen, welche sich damit vertraut machen, etwaige Furcht 
vor dem roten Gespenst zwangsweiser Enteignung verscheuchen. 
Nicht das geringste Verdienst des Werkes ist es, ein warmes 
Interesse für die Lage verelendeter Arbeiterklassen wachzurufen 
und zu tätiger, opferfreudiger Mitarbeit an der steten Besserung 
derselben anzufeuern. Allerdings macht sich Bourguin durch 
seine rationalistische Kantonnierung der sozialistischen Systeme, 
welche den wirklich vorliegenden sozialistischen Reformvor 
schlägen nur unvollkommen gerecht wird, deren Widerlegung 
etwas zu leicht. Beispielsweise hätten auch die Vorschläge 
Rignanos, das kollektive Eigentum an den Produktionsmitteln 
durch stufenweise Erbschaftsbesteuerung in drei Generationen 
zu verwirklichen, verdient, an den tatsächlichen Entwicklungs 
tendenzen der Gegenwart gemessen zu werden. Die wichtige 
Frage der progressiven Besteuerung im Zukunftsstaat ist über 
haupt zu wenig berücksichtigt. Das gleiche gilt für die Organi 
sationsform „Kommunalsozialismus“. Endlich ist Bourguins 
Optimismus bezüglich der zukünftigen Gestaltung der Dinge, 
wenngleich er sich streng an tatsächliche Grundlagen hält, 
manchmal doch etwas kühn und erinnert lebhaft an denjenigen 
der unentwegten Individualisten de Molinari oder Yves 
Guyot. Aber, wie Bourguin selber sagt, der Optimismus ist 
eine soziale Kraft, die Unwahrscheinliches wirklich machen 
kann. Und dann kommt es ja auch schließlich nicht auf den 
einzelnen Detailausblick an: die beherrschende Idee der Ent 
wicklung und die reale Fundamentierung der gezeichneten Haupt 
wege des wirtschaftlichen Werdens geben dem Buche Bour 
guins einen hohen wissenschaftlichen Wert; in dieser Hinsicht 
kann sich keine zukunftsstaatliche Utopie der alten und neuen 
Zeit mit ihm messen. 
Adolphe Landry *), Maitre de Conférences für Geschichte 
]) Von Ijanärys Schriften kommen hier in Betracht: L’utilité sociale et 
la Propriété individuelle, Paris 1901 (Doktordissertation der philosophischen 
Fakultät in Paris). — L’Intérêt du Capital, Paris 1904. — Un Economiste
	        
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