Bernhard Harms
Gewisse Wandlungen zeigen sich übrigens auch in der Produktion
und dem raumwirtschaftlichen Verbrauch von Baumwolle. An der
alten Gliederung der Haupterzeugungsländer : Vereinigte Staaten, Indien,
Ägypten, hat sich zwar nichts geändert, wenngleich in Ägypten Wand-
lungen in Vorbereitung sind, die schon in absehbarer Zeit ihre Wirkung
tun werden. Davon aber soll in anderm Zusammenhang die Rede sein.
An dieser Stelle sei auf die immerhin bemerkenswerte Tatsache hin-
gewiesen, daß Brasilien seine Baumwollproduktion gegen I913 von
183 000 auf 533 000 Ballen im Jahre 1925 gesteigert hat, zumal da diese
Menge ausschließlich im Inlande verarbeitet wird. Ins Auge fällt ferner,
daß der Anteil der Produktion in Indien, der im Lande selbst verarbeitet
wird, ständig wächst. Der Anteil des Eigenverbrauchs an der Produktion
betrug im Jahre 1913: 1,7, im Jahre 1925 hingegen 2,5 Millionen Ballen.
Nicht minder bemerkenswert ist, daß Italien seine Baumwollproduktion
in den. Jahren 1913/25 von 744 000 Ballen auf mehr als eine Million
Ballen gesteigert hat. Der Verbrauch von Baumwolle ist gegen 1913
in England, Deutschland und Rußland beträchtlich gesunken, in Frank-
reich, Italien, Spanien, Belgien, den Niederlanden und den Vereinigten
Staaten gestiegen. Ungewöhnliche Verbrauchssteigerungen zeigen sich
in Japan, Indien, Brasilien und Mexiko. Auch hier ist jedoch zu beachten,
daß die Veränderungen zum Teil nur konjunkturell zu bewerten sind.
Strukturwandlungen von grundlegender Art haben sich in der Produk-
tion künstlicher Farben vollzogen. Bis zum Kriegsbeginn belief sich
die Gesamtproduktion an künstlichen Farbstoffen auf etwa 110000 t,
im Werte von annähernd 300 Millionen Mark. Deutschland hatte mit
seinem Anteil von 95 000 t das Monopol. Es versorgte die ganze Welt,
deren Textilindustrien in diesem Sinne von ihm abhängig waren. Krieg
und Nachkriegszeit haben hierin bedeutsamen Wandel geschafft. Zahl-
reiche Länder, darunter vor allem England und die Vereinigten Staaten,
haben seitdem die Eigenproduktion stark entwickelt. Es wird behauptet,
daß die englischen Farbenfabriken schon heute den gesamten Inland-
bedarf zu decken vermögen. Für die Vereinigten Staaten steht dies,
von Spezialitäten und gewissen Ausgangsmaterialien abgesehen, außer
Zweifel. Ihre Gesamtproduktion an künstlichen Farben beträgt zur
Zeit etwa 42 000 t, während der Inlandbedarf auf nicht viel mehr als
25 000 t geschätzt wird. Die Folge ist, daß die amerikanische Pro-
duktion schon für den Weltmarkt Bedeutung hat. Die Konkurrenz
macht sich insbesondere in Ostasien geltend, vor allem in China, das
der hauptsächlichste Markt für künstlichen Indigo ist. Die veränderte
Stellung Deutschlands ergibt sich nicht zuletzt aus seinen Export-
ziffern. Im Jahre 1913 führte es 64 000 t Anilinfarbstoff und ır 0ooo t
Alizarinfarbstoff aus gegen 17000 und 2000 t im Jahre 1925. Aller