Full text: Strukturwandlungen der Weltwirtschaft

Strukturwandlungen der Weltwirtschaft 
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dings ist hierbei zu beachten, daß die heutige Ausfuhr Deutschlands 
zu einem erheblichen Teil in hochwertigen Spezialitäten besteht, so daß 
das veränderte Mengenverhältnis mit dem Wandel im Werte der Aus- 
fuhr nicht korrespondiert. Es rechtfertigt sich im Gegenteil die Auffassung, 
daß vom deutschen Standpunkt die Farbenausfuhr heute ökonomisch er- 
giebiger ist als in der Vorkriegszeit. Erst recht gilt dies für andere Er- 
zeugnisse der chemischen Industrie, Trotzdem ist die Behauptung gerecht- 
fertigt, daß als eine der bedeutsamsten jüngsten Strukturwandlungen in 
der Weltwirtschaft die Beseitigung des deutschen Monopols in der Her- 
Stellung von künstlichen Farben anzusehen ist. Nicht minder wichtig 
ist allerdings, daß die chemische Industrie Deutschlands auf andern 
Gebieten die Monopolstellung behalten bzw. in der Nachkriegszeit erst 
erworben hat. 
In diesem Zusammenhang sei des synthetischen Stickstoffs 
gedacht, der den Chilesalpeter aus seiner Monopolstellung verdrängt 
hat, wenngleich hier vielfach falsche Vorstellungen unterlaufen. Auf 
dem Weltmarkt ist der natürliche Salpeter an sich konkurrenzfähig; 
Seine Position wird nur dadurch erschwert, daß Chile im Interesse 
Seiner Staatsfinanzen genötigt ist, ihn mit hohen Ausfuhrzöllen zu belegen. 
Fielen diese gänzlich fort (ihre Ermäßigung hat bereits stattgefunden), 
50 würde dem synthetischen Stickstoff die Konkurrenz fühlbarer werden, 
als es heute der Fall ist. Trotzdem bleiben die durch die Entwicklung der 
Suropäischen, insbesondere der deutschen Stickstoffindustrie bedingten 
Veränderungen in der Bereitstellung und Preisbildung von Düngemitteln 
Weltwirtschaftlich ein Ereignis ganz großen Stils. Inwieweit es uns 
zwingen wird, unsere Ansichten über landwirtschaftliche Ertragssteige- 
tungen grundlegend zu ändern, ohne uns an utopischen Prophezeiungen 
%u berauschen, wird allerdings erst die Zukunft lehren. Man tut auch hier 
Sut, das technisch-naturwissenschaftlich Mögliche nicht ohne weiteres 
Mit seiner wirtschaftlichen Auswirkungsfähigkeit zu verwechseln. Daß 
das Gesetz vom abnehmenden Bodenertrage vom Standpunkt der Praxis 
Nicht unter eine naturwissenschaftliche, sondern eine ökonomische Kate- 
Sorie fällt, wird zuweilen vergessen. 
Es liegt nahe, nunmehr der wichtigen weltwirtschaftlichen Struktur- 
Wandlungen zu gedenken, die sich gegenüber der Vorkriegszeit in der 
Landwirtschaft vollzogen haben. Vorauszuschicken ist allerdings, daß 
Sie ebensowohl auf raumwirtschaftliches Zielstreben zurückzuführen sind 
Wie auf individualwirtschaftliches, das freilich auch nur zum Teil kapita- 
üstisch bedingt ist. In zahlreichen europäischen Ländern sind landwirt- 
Schaftliche Strukturwandlungen, die sich positiv oder negativ inter- 
National auswirken, geradezu auf den Mangel an kapitalistischem Geist 
ürückzuführen. Die amerikanischen Farmer sind im Begriff, daraus 
Weltwirtschaftliches Archiv Bd. XXV. 2
	        
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