Object: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

‚716 VII Abjgnitt; Einzelne Schuldverhältnifie. 
S. 82 ff. und binfichtlich der Berücfichtigung regelmäßig anfallender Trinkgelder ROE. 
5d. 7. S. 112 ff). Demgemäß kann der Kentenanfpruch einer Frau au dadurch eine 
Modifikation erleiden, daß fie wegen Schwangerjchaft ohnedies zeitweilig erwerbsunfähig 
oder erwerbsbefchränft fein mürde (and. Uni. ohne Begründung Fifcher-Henle Note 2—4). 
Ueber die Berücklichtigung einer nad Rechtskraft des Urteil8 eintretenden 
Menderung der Verhältntfje f. unten Bem. 10. 
AllerdingS gibt e8 auch Fälle, bei denen davon ausgegangen werden darf, daß ein 
beftimmter Ermerb dem Verlekten ohne den vom Gegner zu vertretenden Vorgang bis 
ins hobe Sreifenalter möglich gemwefjen märe, und ferner Fälle, in denen die Beurteilung 
der künftigen Geftaltung der Dinge zufolge der Einwirkung desS fortfchreitenden Alters 
des Verlegien dem Gerichte nicht mit der nötigen Beftimmtheit möglich und daher auch 
nicht erforderlich ıjt. Inu Züllen diefer Art ift die Zuerfennung der Rente ohne zeit- 
(ide Begrenzung auf Lebensdauer des Klägers nicht ausgefchlofien (val. Urt. d. 
O0 16. und 20. Sanuar 1908, 11. Iuli 1910, Jur. Wichr. 1908 S. 140, 141 ff. 
1910 ©. . 
Ob und in weldhem Umfange Borteile, die der BVerlebte infolge der Verlegung 
erlangt, in Anrechnung zu bringen find „compensatio lucri et damni“), hat das 
Sefeß wegen der €chwierigkeiıt einer alle Möglichkeiten dedenden Regelung nicht aus- 
rücklih beftimmt; die Entfheidung ijt aus dem Vegriffe des „Schadens“ zu entnehmen 
SM. 1, 794; 1. Vorbem, 7 vor S 249 und die dort erwähnte Literatur und Vraxis, Dert- 
mann BVem. 5, Plane Bem. 3, Urt. d. DLS®. Hamm vom 12. November 1901 Nipr. d. 
DLS. Bd. 4 S. 56 f. und des DL®. Zweibrücden vom 4 Februar 1903 dtecht 1904 
S., 252; vol. aud) Dernburg, Rand. Bd. 2 8 45 Riff. 4, RGE. Bd. 17 S. 47 ff. und 
Bem. V, 3, b, # zu S 844). Ueber Anrechnung der auf eine einftweiligen Ber- 
Fügung geletfteten Zahlung f. Urt. d. Reichsger. vom 9. Juli 1908 Necht 19U8 Nr. 2934. 
Sinfichtlich der Unrehnung von Verficherungsfjummen und Venfionen ift 
zu unterfdeiden: Berlige, Die dem Verleßten auf Grund eines privaten Vertrags (Ver: 
licherungsvertrag) zufommen, find nicht anzurechnen, weil das Recht auf jolcdhe Bezüge in 
eriter Linie nicht durch das fhäbigende Ereignis, fondern durch den Abichluß des Vers 
fcherungsvertragS und die Zahlumg der Prämien mitbedingt {ft (ebenfo, wenn ein Dritter 
eine Joldhe Berficherung zum Beften des Verleßten genommen Hat); Dagegen unterliegen 
gefeßlidhe Penfionen der Anrechnung, weil der infolge des Unfalls penfionierte Beamte 
nicht um feinen vollen Gehalt, fondern nur um die Differenz zwijchen Gehalt und 
Benfion gefchäbigt ijt fo in eingehender Begründung Urt. d. Neichsger. vom 5. November 
1906 RGE, Bd. 64 S. 350 ff. mit weiteren Nachweijen aus Literatur und Recht{prechung, 
ferner Urt. d. NMeichsger. vom 13. Yuli 1908 Jur. Wichr. 1908 S. 554 und vom 1. Oktober 
1910 Kecht 1910 Mr. 3923, f. auch Vertmann Bem. 5, c und die dort erwähnte Literatur). 
Dem Falle einer gefeblichen Venfion ift e8 gleichzuftellen, wenn ein Arbeitgeber Kraft 
einer 3zwifdhen ihır und feinen Angeftellten feltftehenden Gepflogenheit zum Vorteil aller 
diefer beftändig eine Unfallverfidherung auf Teine Aoften aufrecht erhält (Urt. d. Reichsger. 
dom 10. Dezember 1908 RGES. Bd. 70 S. 101 ff.). Val. auch S& 4 Haftpflichtgef., 8 135 
Nbf. 2 Gemw.Unf.Verf.Gef. und Dertmann Bem. 5, c. . 
Neber Minderung der Rente auf den Betrag, den der Verlekte infolge Dienft- 
unfähig feit von einem beitimmten Zeitpunkt ab voraustchtlich als Venfion be- 
ziehen würde, f. Urt. d. Reichsger, vom 17, März 1910 Recht 1910 Kr. 2191. 
Sit der VBerlegte zwar unfähig geworden, feine bisherige Erwerbstätigkeit fort- 
zufeßen, jedoch noch in der Lage, durch eine andere Zätigkeit Erwerb zu 
jinden, fo fann er nidht in dem Umfange € Hadenserfaß beanfpruchen, wie wenn er 
gänzlich ermerbhöunfäbig müre; er ift aber berechtigt, einen feiner Borbildung und feinen 
bisherigen Verbältnifien entfpredenden neuen Beruf zu wählen, fjelbjt wenn er 
im einen anderen Berufe mehr verdienen und daher einen geringeren Ausfall an feinem 
Einkommen erleiden mürde (Urt. d. Heicdhsger. vom 20. November 1902 MGESE, Bd. 53 
S. 48 f., Urt, d. DLG. Dresden vom 24. Yuni 1907 Seuff. Arch. Bd 63 Nr. 13; f auch 
Auhlenbef Note 2), Zu dem Verfuche, fich auf anderem Wege Erwerb zu verfchaffen, ift 
der Verleßte auch dann verpflichtet, wenn er genötigt ift, zu Ddiefem Zwede fich Fertig 
feiten und Kenntnijie anzueignen, die ihm bisher fehlen (Urt. d. Neichsaer vom 28 Kuni 
1909 Sur. Wichr. 1909 S, 495 ff). Neber die Bedeutung eine8 BerufSwecdhfels 
‘, Urt. b. Neichsger. vom 8. Oktober 1908 ROSE. Bd. 69 S. 306 ff. und Vertmann Bem. 4. 
Die auf Grumd diefer Erwägungen etwa erforderliche zeitlihe Begrenzung der 
ente Darf gemäß 3BO. S 304 dem NadhHverfahren überlaffen werden (f. oben 
em. 1). 
4, Ein Anfpruch des Verlekten auf Sicherheitsleiftung befteht arundfäßlich nicht, 
doch gewährt & 843 Ahr. 2 Sag 2 dem Verleßten diefen Anipruch, wenn die Umftände 
Des Zalles e8 rechtfertigen. Dieje Borausfeßung wird insbejondere dann gegeben fein, 
wenn die Vermögensverhältniffe des Erjakpflichtigen ein Gefährdung des Erlaßanfpruchs
	        
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