Metadata: Nationalökonomie (1.1915)

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Airoverkehr. 
ausgestellten Wechsel, eine ebensolche Sicherheit gewähren, wie das 
bare Geld selbst. Dagegen ist der Vorteil für die Bank wie für die 
ganze Volkswirtschaft sehr erheblich, wenn die Gelder in fortdauern- 
dem Umlauf sind und durch die Bank in die Hand derjenigen Ge- 
schäftsleute gebracht werden, welche dieselben für ihre wirtschaft- 
liche Tätigkeit dringend gebrauchen. Die wichtigste Form dieser 
Verwendung der fremden Mittel ist das Ankaufsgeschäft von Wechseln, 
DiskKontgeschäft genannt. Die dritte‘ Entwicklungsphase be- 
yann, als man zur Darlehensgewährung nicht die Münze selbst be- 
nutzte, sondern für sie Repräsentanten ausgab, unverzinsliche In- 
haberpapiere, die Noten, für welche die Bank zu jeder Zeit die darauf 
verzeichnete Summe zahlte, die bei ausreichendem Kredit der Bank 
deshalb ebenso als Zahlmittel fungieren konnten wie die klingende 
Münze. Aber man ging allmählich noch darüber hinaus, indem man 
mehr Noten ausgab, als Barmittel bei der Bank vorhanden waren, 
denn man beobachtete, daß stets nur ein kleiner Teil der zirkulieren- 
den Noten zur Einlösung präsentiert wurde, man deshalb nicht not- 
wendig hatte, stets die ganze Summe bar vorrätig zu halten, welche 
in Noten ausgegeben war. Dadurch verschaffte sich die Bank. un- 
verzinsliche Darlehen, die sie IKrerseits verzinslich als Darlehen aus- 
Fäb, und war imstande, der Geschäftswelt größere Mittel zur Ver- 
fügung zu stellen, als sie selbst bar besaß. Damit bildete sich das 
Noten- und Zettelbankwesen aus, das eine besondere Bedeu- 
tung in der Volkswirtschaft erlangt hat. 
Die Buchung von KEinlagen bei einer Bank, welche mit einer 
größeren Zahl von Geschäftsleuten in Verbindung steht und es diesen 
ermöglicht, durch Ueberschreibung: von Teilen des Guthabens von 
dem Konto des einen Teilhabers auf das des anderen Zahlung zu 
leisten, ist die Einrichtung des Giroverkehrs, so genannt, weil 
das Geld sich gewissermaßen im Kreise bewegt. Sie ist schon im 
alten Rom gebräuchlich gewesen und hat, wie wir sahen, Ende des 
Mittelalters, dann namentlich Anfang des 17. Jahrhunderts in be- 
sonderen Banken eine große Ausdehnung gewonnen. Dies Verfahren 
trat aber allmählich immer mehr in den Hintergrund und wurde 
durch die Zahlungen in Wechseln, Noten und Schecks ersetzt. Erst 
in der Mitte des 19. Jahrhunderts hat es wiederum an Ausdehnung 
gewonnen, seit den vierziger Jahren bei der Bank von England, dann 
seit 1876 bei der deutschen Reichsbauk, nachdem durch Gesetz der 
Notenumlauf in England wie in Deutschland Beschränkungen unter- 
worfen war, und man sich genötigt sah, einen Ersatz für dieses 
Zahlungsmittel zu schaffen. Zu bemerken ist aber, daß schon Friedrich 
der Große 1765 durch die Gründung der Giro- und Lehnbank, aus 
der 1847 die Preußische Bank hervorging, den Versuch machte, den 
GirovVerkehr zu heben, indessen ohne erheblichen Erfolg. 1824 
gründeten Berliner Bankiers und Kaufleute den Berliner Kassen- 
verein, der in der Hauptsache nur eine Giroanstalt war. Aehnliche 
Einrichtungen wurden in den folgenden Jahrzehnten in verschiedenen 
Städten Preußens ins Leben gerufen. Die Preußische Bank eröffnete 
den Giroverkehr 1834, und seit 1841 konnten die Inhaber eines Giro- 
kontos durch besondere Giroanweisungen über ihr Guthaben ver- 
fügen. Im Jahre 1853 betrug der Giroumsatz 110 Mill. Taler. Un- 
gleich größer ist sofort nach der Gründung die Girotätigkeit der 
Reichsbank gewesen, welche bestimmt war. einen Ersatz für den
	        
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