Object : Grundzüge der Sozialpolitik

17.  Kapitel.  Die  organisierte  Selbsthilfe.

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In  Frankreich  hatte  sich  die  Zahl  seit  Mitte  der  90  er  Jahre  vermindert, ­
  ist  aber  neuerdings  wieder  gewachsen.  Die  Statistik  führt  auf:
1895  ....  1217  Konsumvereine,  darunter  509  Bäckereigenossenschaften.
1897  ....  1199  „  „  491  „
1900  ....  1463  „  „  641  „
Die  Mitgliederzahl  war  1900  bei  421  Bäckereigenossenschaften
85  036,  bei  518  sonstigen  Konsumvereinen  235728  usw.
Die  Mitglieder  der  Konsumvereine  sind  zum  guten  Teil  nicht  Arbeiter, ­
  sondern  selbständige  Handwerker,  Beamte  usw.  In.  Sachsen
sind  nach  einer  dem  Landtage  1902  vorgelegten  Denkschrift  über  Besteuerung ­
  der  Großbetriebe  im  Kleinhandel  61  °/o  der  Mitglieder  Fabrikarbeiter. ­
  Dieser  Prozentsatz  ist  verhältnismäßig  hoch;  aber  im  ganzen
sind  jedenfalls  die  Arbeiter  in  der  Mitgliedschaft  überall  reichlich  vertreten. ­
  Ein  Teil  der  Konsumvereine  steht  im  In-  und  Auslande  unter
dem  unmittelbaren  Einfluß  der  sozialdemokratischen  Partei.
Der  Umstand,  der  den  Arbeitern  wie  überhaupt  den  auf  geringes
Einkommen  angewiesenen  Kreisen  die  Beteiligung  an  Konsumvereinen
nahelegt,  ist  in  der  Hoffnung  zu  erblicken,  daß  auf  diese  Weise  die
Vermittlung  des  Kleinhandels  umgangen  werden  und  der  Gewinn  des
Kleinhandels  den  Mitgliedern  zufließen  könne.  Dazu  bieten  sich  zwei
Wege.  Der  Konsumverein  kann  seine  Verkaufspreise  seinen  Selbstkosten ­
  möglichst  nahe  bringen,  also  zu  möglichst  niedrigen  Preisen
verkaufen,  sodaß  die  etwa  erzielte  Ersparnis  den  Mitgliedern  durch
billige  Bedarfsbefriedigung  zugute  kommt.  Etwaige  Überschüsse
werden  bei  diesem  Vorgehen  meist  nach  Geschäftsanteilen  verteilt.
Nur  ein  kleiner  Teil  der  Konsumvereine  geht  so  vor.  Die  Mehrzahl
folgt  dem  von  den  Pionieren  von  Rochdale  gegebenen  Beispiel,  die
üblichen  Preise  zu  nehmen,  die  so  erzielten  reichlicheren  Überschüsse
aber  in  Gestalt  der  Dividende  zu  einem  bestimmten  Termin  nach
dem  Umfang  der  Einkäufe  den  Mitgliedern  zurückzuzahlen.  Dieses
letztere  Verfahren  übt  auf  die  Mitglieder  einen  großen  Reiz.  Er  kann
sich  unter  Umständen  steigern  bis  zu  unnützen  oder  unklugen  Einkäufen ­
  und  zu  dem  Streben,  durch  Einkäufe  für  Nichtmitglieder  den
Umfang  der  Einkaufssumme  und  damit  die  Dividende  zu  erhöhen.
Die  neuere  Gesetzgebung  hat  dem  mehrfach  zu  steuern  gesucht;  in
Deutschland  kommt  das  Gesetz  vom  12.  August  1896  in  Betracht,  das
durch  Strafen  die  Beschränkung  des  Absatzes  auf  die  Mitglieder  herbeizuführen ­
  sucht.  Das  Rochdaler  Prinzip  verspricht  am  meisten  Erfolg, ­
  wenn  sich  der  Konsumverein  auf  den  Verkauf  der  gangbarsten
Artikel  wirft.  Das  ist  denn  auch  durchweg  geschehen,  obwohl  bei
solchen  Artikeln  am  wenigsten  Anlaß  zu  Klagen  über  zu  hohe  Preisaufschläge ­
  des  Kleinhandels  vorliegt.
An  das  Streben,  den  Vermittlerlohn  des  Kleinhandels  für  die  Mitvan
  »ekBoesht,  Grundz.  d.  Sozialpolitik.  31
            
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