fullscreen: Schutz dem Arbeiter!

der sämmtlichen Arbeiter um mehr als 100 "/o größer ist, als in den Flachsspinnereien. Selbst 
die obengenannten Webereien zeigen durchschnittlich übelerc Erkrankungsziffern, als die 
Flachsspinnereien. Würden Baumwollspinnereien und -Webereien ausrei 
chend vcntilirt, wie dies in den Flachsspinnereien üblich ist, so würden ihre 
Gesundheitsverhältnisse voraussichtlich weit besser werden. 
„In den Zanellafabriken macht sich der Einfluß mangelhafter Luftbeschaffenheit gleich 
falls geltend. 
„Unter den nicht ventilirten Fabriken zeigen die Seidenstoff-Fabriken die gün 
stigsten Erkrankungszahlen, während die ungünstigsten auf die Sammt- und Plüschfabriken 
entfallen Aber auch bei diesen hat sich die künstliche Lüftung der Arbeitsräume bewährt. 
So erkrankten in einer größern Plüschfabrik im ersten Halbjahr, als die Lüftung mittels 
der Fenster und Dachklappen erfolgte, 54 °/o der Arbeiterinnen, im zweiten Halbjahr da 
gegen, nachdem eine ordentliche Ventilation und Luftbefcuchtung eingeführt worden war, 
nur 32,9 °/o." 
In zahlreichen Berichten wird über die ungenügende Lüftung und 
Beleuchtung geklagt, namentlich wird auf die Verschlechterung der Lust 
durch die G as kr a ft ma sch in en hingewiesen. Diese Verhältnisse wer 
den durch Ueberfüllung der Räume mit Menschen und Maschinen 
verschlimmert. Auch in dieser Beziehung sind Minimal-Forderungen 
nothwendig. 
In manchen Fällen bieten Maschinen und neuere Fabrications- 
Methoden wohl die Möglichkeit der Erleichterung resp. der Hebung 
gesundheitlicher Schäden, aber manchmal bleibt es aus Ersp arnißrück- 
sichten — zumal die Arbeitslöhne billig sind—, noch öfter aus Bequem 
lichkeit (Schlendrian) bei der bisherigen Productionsweise. So berich 
ten einzelne Fabrik-Jnspectoren (Würtemberg I, Baden) über „Maschinen 
zum Entstauben der Hadern vor der Verarbeitung, sowie zum Schneiden 
derselben", während andere von solchen Einrichtungen nichts wissen. 
Allgemein wird die Näh Maschinen-Arbeit, zumal die lang 
andauernde, als für den weiblichen Körper auf die Dauer unzuträglich 
bezeichnet; ein erfreulicher Fortschritt ist es deshalb, „daß, wenigstens in 
den größern Consections-Betrieben, an Stelle des Fußbetriebes 
der Nähmaschine der mechanische Betrieb mehr und mehr Eingang 
findet (Leipzig)." — Die Verwendung giftiger Stoffe (z. B. bei Her 
stellung der Anilinfarben, die Verwendung des weißen Phosphors rc.) 
sollte, so weit möglich, verboten werden. Die Opfer an Gesundheit 
und Leben stehen vielfach in keinem Verhältniß zu der wirtschaftlichen 
Bedeutung der Producte. 
Bezüglich der Ci garren sa briken wird außer der Fürsorge für 
hohe, lichte, gut ventilirte Räume das Verbot der Beschäftigung von 
Kindern (Baden, Minden), strenge Durchführung der Trennung der 
Geschlechter, Herstellung von besondern Aufenthaltsräumen wäh 
rend der Pausen (nach Geschlechtern getrennt) und Verbot des Accordver-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.