Object: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Das Arbeitseinkommen. 
no 
Form -es Lohnes ist die nach der Zeit, der Stunden-, 
Tages - oder auch Jahres lohn. Ein Zusammenhang 
zwischen Lohnform und Arbeit liegt in diesem Falle nur dann 
vor, wenn gerade die Sicherheit, den Lohn unter allen Umständ n 
gleichmäßig zu erhalten, die (Qualität ,j) er geleisteten Arbeit ver 
bürgt. Die allerschwierigstm und verantwortungsvollsten Ar 
beiten werden deshalb im Zeitlohn bezahlt; nicht nur in der In 
dustrie, sondern auch itt weiten Gebieten der geistigen Arbeit. 
Der Richter mußte früher wohl sein Einkommen in den Sportein 
suchen, die ihm aus den Rechtshändeln abfielen; wir halten heut 
die Unabhängigkeit des Richters dadurch gefährdet und wünschen 
für ihn eine gleichmäßige und ihm in allen Fällen garantierte 
Einnahme wie für alle Beamten. 2lber auch die allergerina- 
wertigste, die Tagelöhnerarbeit, wird nach der Zeit bezahlt; hier 
allerdings ohne alle tieferen Absichten, sondern nur deshalb, roeü - 
man eine bessere Form nicht gefunden hat. Der 2l k k o r d - 
oder Stücklohn, Len man nämlich sonst in der Mehrzahl 
der Fälle anwendet ist an die Voraussetzung gebunden, daß der 
Erfolg der Arbeit feststellbar, durch Messen oder Zählen genau 
zu ermitteln ist. Ls wird also dann der Arbeiter nach der Zahl 
der geleisteten Stücke bzw. dem (Quantum Zlrbeit bezahlt, das er 
fertiggebracht hat. Dies hat für Arbeiter wie Unternehmer den 
unschätzbaren Vorteil, daß der Fleißige und Tüchtige nicht ebenso 
fährt wie der Träge und Untüchtige. Dem Arbeiter ist die 
Möglichkeit gegeben, mehr zu verdienen als der Durchschnitt, 
seine besonderen Gaben auszunutzen. Damit ist freilich auch 
wieder die Gefahr einer Überspannung verbunden; „Akkord 
arbeit ist Mord arbeit" sagt ein altes Sprichwort. Namentlich 
dann liegt die Gefahr vor, wenn der 2lrbeitgeber, wie dies 
früher gar nicht selten geschah, den Lohn für die Arbeitseinheit 
ständig herabsetzt, sobald die Geschicktesten oder Strebsamsten unter 
dem Einfluß der Übung so viel produzieren, daß der von ihnen 
verdiente Lohn weit über das Mittelmaß hinaussteigt. Ein solches 
Vorgehen des Arbeitgebers muß böses Blut machen und hebt 
einen großen Teil der Vorzüge der 2lkkordarbeit wieder auf. 
Andererseits ist recht wohl denkbar, daß namentlich unter dem 
Einfluß fortschreitender Technik die auf ein Stück aufzuwendende 
Arbeitsmühe erheblich finkt, in diesem Falle ist auch die kferab- 
setzung des Stücklohnsatzes gerechtfertigt. Mir werden bald sehen, 
wie bei der Fortbildung des 2lrbeitsvertrages Mittel gesucht und
	        
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